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Die Restaurierung des „Vogelzimmers“ und des „Kornblumenzimmers“ des Gaststättenbereichs im Barocksc


Nach der Restaurierung des „Chinesischen Zimmers“ im Jahr 2014 stand unter der Leitung des Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) Niederlassung Bautzen von Anfang 2016 bis zum Ende des ersten Quartals 2017 abermals die Instandsetzung und Restaurierung einer wichtigen Raumgruppe auf dem Plan – das kostbare „Vogelzimmer“ und das schlichtere „Kornblumenzimmer“.

Beide Räume im Erdgeschoss gehören mit dem benachbarten Gartensaal zum Gaststättenbereich im Barockschloss Rammenau. Die Arbeiten reihen sich in einen bereits über eineinhalb Jahrzehnte andauernden Prozess ein, bei dem schrittweise die wertvollen Innenräume instandgesetzt werden. Neben der statischen Ertüchtigung der ermüdeten oder nach heutigen Vorschriften nur noch eingeschränkt nutzbaren Geschossdecken wurden auf der Basis umfassender restauratorischer Voruntersuchungen, ergänzt durch bau- und kunsthistorische Recherchen sowie detaillierte Fachplanungen, systematisch die einzelnen Räume restauriert. Diese Maßnahme wird finanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts. Für diese Arbeiten stellte der Freistaat Sachsen rund 630.000 Euro zur Verfügung.

* Hintergrundinformationen des Architekten und Bauforschers Frank-Ernest-Nitzsche, der die Maßnahme fachkundig begleitet hat:

Das im Jahr 2006 auf fachwissenschaftlicher Grundlage beschlossene Maßnahmenkonzept für diese Arbeiten verfolgt eine ganzheitliche Herangehensweise bei der Rückgewinnung der einstigen Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts. Neben den vielfältigen dekorativen Wandgestaltungen zeichnen das Schloss in großem Umfang erhaltene originale Felderdielungen, etliche historische Öfen und Kamine, zahlreiche Wandvertäfelungen, reiche Stuckdecken, fast in kompletter Anzahl erhaltene barocke Türen und viele weitere Details aus.

Man könnte auf den ersten Blick meinen, es handele sich bei diesem Instandsetzungsprogramm schon um alltägliche Routine ohne besondere Herausforderungen. Schließlich sind Ausgangssituation und Zielsetzung immer wieder ähnlich: Die originalen Innendekorationen wurden mehrfach grob übermalt, die ursprünglich feinen Zeichnungen stark vereinfacht oder einzelne Raumausstattungen scheinen im Laufe der Zeit gänzlich verloren gegangen zu sein, Innenausstattungen wurden umgebaut, sind beschädigt oder sogar teilweise untergegangen. Spätestens in dem Augenblick aber, wenn sich das Bearbeiterteam mit der Planungsvorbereitung dem konkreten einzelnen Raum zuwendet, wird allen Beteiligten deutlich, wieder einen ganz speziellen „Patienten“ vor sich zu haben, der eine ebenso individuelle Behandlung benötigt und nicht selten fachliches Neuland für eine erfolgreiche Lösung beschritten werden muss.

Die zwei nebeneinanderliegenden Räume „Vogelzimmer“ und „Kornblumenzimmer“ besitzen an sich schon einen gänzlich eigenständigen Charakter, wie er unterschiedlicher kaum sein kann:

Das „Vogelzimmer“ ist raumhoch kostbar vertäfelt und die Holzflächen sind farbig fein nuanciert und mit Vogeldarstellungen gefasst, 2 auf Leinwand gemalte Supraportenbilder schmücken die Türen. Die Decke ist durch ein kräftiges Gesims abgesetzt und mit zarten floralen Motiven bemalt. Zur originalen Ausstattung gehört ein eleganter historischer Figurenofen. Das urspr. Tafelparkett wurde in den 1960er Jahren gegen ein einfaches Stabparkett ausgetauscht. Die im Jahr 2006 sehr gründlich durchgeführte Voruntersuchung des Zimmers bildete eine hervorragende, d. h. auch weitgehend sichere Planungsgrundlage. Gleichwohl wurden im Laufe der praktischen Bearbeitung eine Reihe bisher unbekannter Zustände aufgedeckt, auf die operativ reagiert werden musste:

– Decke und Täfelung erwiesen sich durch frühere Wassereinbrüche unter den Oberflächenbeschichtungen bzw. an den Rückseiten partiell deutlich schwerer geschädigt;

– 2 klassizistische Supraporten, die 1968 auf Fotos noch sichtbar waren, wurden nach einer bisher verborgenen Bauinschrift 1994 entfernt und dabei die barocken Leinwandgemälde wieder freigelegt; die Zugehörigkeit der Leinwandgemälde zum Raum war bis dahin unsicher;

– die Bemalung der Täfelung zeigte nach großflächiger Freilegung eine noch wesentlich feinere Farbdifferenzierung, als im Zuge der Voruntersuchung 2006 festgestellt werden konnte;

– das kräftige Deckengesims erwies sich nach der Freilegung als kombinierte Konstruktion aus Holz und Stuck;

– von einer gänzlich verloren geglaubten Tür konnte nach intensiver Überprüfung der

Depotbestände schließlich noch ein Türflügel mit der orig. Farbfassung ermittelt werden, ein wichtiger Befund für die Klärung der bei einer früheren Renovierung vollständig abgebrannten Farbfassungen auf Sockeltäfelung, Türen und Fensterbekleidungen.

Alle „Überraschungen“ ließen sich letzten Endes gut in das Raumprogramm integrieren und führten zu einer Aufwertung der historischen Botschaft. Nach fast einem Jahr Bearbeitung in den Restaurierungswerkstätten ist die Täfelung wieder komplett montiert. Das Refugium aus wärmender Vertäfelung, feinsten Farbspielen und harmonischen Proportionen strahlt eine ganz besondere Atmosphäre aus, wie nur wenige Räume im Schloss.

Das „Kornblumenzimmer“ galt schon im Zuge der Voruntersuchungen 2006 aufgrund der unzureichenden Befundlage als denkmalpflegerisches „Sorgenkind“. Den benachbart zum Küchentrakt liegenden Raum hatte man nach vorliegenden alten Fotos und Beschreibungen bereits um 1900 mit Zwischenwänden und Veränderungen der Türen wesentlich stärker umgebaut, als es sonst im Schloss üblich war. Auch in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts blieb der Raum ein funktioneller Gelenkpunkt zwischen Küche, Gastzimmer, Nebenzugang und Sanitärräumen. Nach den Ergebnissen der Voruntersuchung handelte es sich bei der Raumfassung um eine freie Rekonstruktion bzw. Erfindung von 1968. Bis auf eine gemalte Supraporte über der Tür zum Vogelzimmer wiesen keine Wandmalereien oder Tapeten älteren Originalbestand auf. Das urspr. Tafelparkett wurde auch hier in den 1960er Jahren gegen ein einfaches Stabparkett ausgetauscht und die Decke infolge statischer Schäden erneuert. Nach sehr eingehender Abwägung von Vor- und Nachteilen, z. B. auch hinsichtlich technologischer Mängel der verwendeten Papiertapeten mit zeitgenössischem Walzenmuster von 1968, empfahl es sich, in Ermangelung von Befunden die 1968 entstandene und bereits in den 1980er Jahren überarbeitete Rekonstruktion als Dokument der Zeitgeschichte zu restaurieren. Im Verlauf der praktischen Restaurierung kamen auch im Kornblumenzimmer Schritt für Schritt klassizistische Befunde ans Tageslicht, die die kulturhistorische Bedeutung des Raumes grundlegend aufwerteten:

– unter einem hartnäckigen Schelllackanstrich in den Fensterleibungen verbargen sich feine klassizistische Rankenmalereien, die zwar größere Schäden aufwiesen, sich dennoch für eine Restaurierung eigneten und heute als wichtiges Original den Raum bereichern;

– der gemalte Wandsockel, an der Oberfläche eine reine Rekonstruktion und zuvor als freie Erfindung von 1968 bewertet, zeigte in unteren Farbschichten Reste der orig. klassizistischen Bemalung mit identischen Motiven; demnach ist die Sockelmalerei nun nachgewiesen Bestandteil des historischen Dekorationsprogramms und keine reine Erfindung;

– die urspr. Decke wurde damals entgegen der Annahme doch nicht komplett erneuert; Stuckgesims und Reste der Voute sind mit der originale Farbfassung erhalten;

– unter den großflächigen Papiertapeten der Wandspiegel, die aufgrund ihrer technologischen Unzulänglichkeit schließlich doch abgenommen und rekonstruiert werden mussten, zeigte sich anhand von Nagellöchern und Leistenabdrücken das barocke Gliederungsprogramm, eine Fassung, die in den alten Inventaren als „Tapeten von bunter Wachs Leinwand“ beschrieben ist; auch die mehrfachen baulichen Veränderungen der Türen im 19. und 20. Jahrhundert ließen sich bei dieser Gelegenheit erstmals erfassen und dokumentieren; Einzig der Nachweis der ursprünglichen klassizistischen Tapetengestaltung konnte bisher nicht geführt werden. Nach intensiven Abwägungsprozessen einigte man sich bei der Rekonstruktion auf eine vorläufig neutrale Farbgestaltung der großen Wandflächen; eine Tapetenbahn mit Walzenmuster von 1968 wurde jedoch als Zeitdokument erhalten. Auch die rahmenden Bordüren der Wandspiegel mit Kornblumenmotiven und Leisten sind erhalten. Ihre Rekonstruktion erfolgte 1968 mit hoher Wahrscheinlichkeit nach einer originalen Vorlage.

In beiden Zimmern wurden parallel zu den Restaurierungsarbeiten auch die tragenden Balkenkonstruktionen der Fußböden ertüchtigt, Elektro- und Heizungsinstallationen modernisiert und das fotografisch gut dokumentierte Tafelparkett rekonstruiert. Den sprichwörtlich letzten Schliff erhielten die 2 Gasträume mit der endgültigen Einpflege der Fußböden, der Montage der 2 frisch restaurierten Leinwandbilder und der Aufstellung des Figurenofens in der letzten Märzwoche 2017.

#SIBStaatsbetriebSächsischesImmobilienundBa #BarockschlossRammenau

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