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Gastgewerbe sagt Friedrich Merz den Kampf an


Der potenzielle Kanzlerkandidat Friedrich Merz möchte die ermäßigte Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen kappen. Jetzt gibt es immer heftigere Gegenwehr – wie in diesem offenen Brief zweier entsetzter Gastgeber an den CDU-Politiker.

In unserem Artikel „Friedrich Merz will Gastgeber ausbluten lassen“ berichtete HOGAPAGE von den Mehrwertsteuerplänen des potenziellen Kanzlerkandidaten Friedrich Merz. Die deutschlandweite Empörung über dessen Pläne für das Gastgewerbe ließ nicht lange auf sich warten. Hier ein offener Brief zweier entsetzter Gastgeber an den CDU-Politiker:

Sehr geehrter Herr Merz,

mit Erstaunen bzw. Entsetzen haben wir vergangene Woche erfahren, dass Sie planen, im kommenden Jahr die Mehrwertsteuerermäßigung für das deutsche Gastgewerbe wieder rückgängig zu machen.

Seit Senkung der Mehrwertsteuer im Jahre 2010 hat es erwiesenermaßen ausschließlich positive Effekte in unserer Branche gegeben. Die Umsatzzahlen steigen seitdem kontinuierlich Jahr für Jahr an, wodurch wiederum auch unsere Zuliefererbranche nachhaltig profitiert und zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden können. Nicht zuletzt unsere Branche sorgt nachweislich dafür, dass die Arbeitslosenquote in Deutschland stabil gering bleibt.

Als Beispiel sei unser kleiner, mittelständischer Hotelbetrieb mit angeschlossenem Restaurant am schönen Niederrhein genannt. Wir haben in den vergangenen Jahren über 3 Mio. € investiert, um unseren Betrieb von 11 auf 46 Zimmer zu erweitern. Wir haben die Anzahl der Arbeitsplätze von 9 Festangestellten auf 18 Festangestellte verdoppelt. Zudem sind wir äußerst engagiert in Bezug auf die Integration von Flüchtlingen. Seit 2 Jahren bilden wir einen palästinensischen Flüchtling zum Koch aus. Dieses Jahr wurde eine marokkanische Dame als Reinigungskraft für die Zimmer festangestellt. Sie hatte vorher seit einigen Jahren vergeblich versucht, in Deutschland endlich Arbeit zu finden. Sie spricht kaum Deutsch, aber glücklicherweise sehr gut Italienisch, wodurch wir in der Lage sind, mit ihr zu kommunizieren und ihr einen Arbeitsplatz zu ermöglichen. Dabei arbeiten wir täglich daran, dass sich ihr Deutsch verbessert. Im Gastgewerbe arbeiten gottseidank viele sprachbegabte Menschen, sodass sich uns diese Möglichkeit der Kommunikation eröffnet. Weiterhin haben wir extra eine zusätzliche Stelle als Küchenhilfe geschaffen, weil ein syrischer Flüchtling diesen Sommer aus Berlin zu uns aufs Land an den schönen Niederrhein gezogen ist, und wir von seinen menschlichen Qualitäten überzeugt sind.

Wenn es um die Integration von Flüchtlingen in Deutschland geht, ist gerade das Gastgewerbe mit seinem Mangel an Fachkräften und seinen Möglichkeiten (siehe die für uns ganz normale Alltagsbeschreibung im vorherigen Absatz) in unseren Augen das Zünglein an der Waage, damit diese Integration in Deutschland nachhaltig gelingen kann. Leider wird diesem Aspekt in der großen Politik viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Und jetzt möchten Sie mit Ihrer Politik all diese mühsamen, kleinen, aber extrem wichtigen Aspekte wieder zunichtemachen?

Die Konsequenz einer Mehrwertsteuererhöhung wird sein, dass wir aufgrund des ganz extremen Preisdrucks in Deutschland in unserer Branche, diese Erhöhung nicht 1 zu 1 an den Gast weitergeben werden können. Daraus wiederum werden betriebsbedingte Kündigungen erfolgen, damit wir überhaupt überleben können.

Im europäischen Vergleich liegt der Preis für eine Hotelübernachtung in Deutschland deutlich niedriger als z.B. in Frankreich oder Großbritannien, da hierzulande „Geiz ist geil“ Programm ist. In diesen beiden Ländern, so wie in weiteren 23 europäischen Staaten, gilt der verminderte Mehrwertsteuersatz für die Logis, in einigen dieser Länder sogar zudem auch für die Gastronomie! Alle Preise für eine Übernachtung über 100 € für ein einfaches, aber gutes 4-Sterne-Hotel auf dem Lande in Deutschland werden hierzulande von Gästen nur schwerlich bis gar nicht akzeptiert. Durch eine etwaige Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 19% werden wir diese Grenze überschreiten müssen, was zu einem Verlust von Stammgästen führen wird, die nur über ein Budget bis max. 90 € oder 100 € für eine Hotelübernachtung verfügen.

Wissen Sie, Herr Merz, uns geht es nicht darum, uns in unserer Branche eine goldene Nase zu verdienen! Wir sind seit Jahrzehnten Gastgeber aus Leidenschaft und bilden gern aus, obwohl wir wissen, wie schwierig dies heutzutage ist, aufgrund der Qualität der Schulabgänger, woran wiederum die Politik maßgeblich eine Mitschuld trägt, aufgrund der Schulreform in den 90er Jahren, weshalb es kaum noch brauchbare Schulabgänger mit einigermaßen guter Bildung gibt, geschweige denn, dass wir in unserer Branche jemanden überhaupt erst für eine Ausbildung begeistern können!

Wir, Herr Wolfgang Gödeke, Geschäftsführer des Hotel-Restaurant an der Burgschänke in Alpen, und Cornelius Poppe, Assistent der GF, sind dermaßen enttäuscht von Ihren Äußerungen auf der CDU-Regionalkonferenz letzte Woche, dass Herr Gödeke, übrigens langjähriges CDU-Ratsmitglied am Niederrhein und Prüfungsausschussvorsitzender der IHK Krefeld für den Bereich Gastronomie und Hotellerie, überlegt, aus der Partei auszutreten, und Herr Poppe (Prüfungsausschussanwärter IHK Duisburg für den Bereich Gastronomie und Hotellerie), der eigentlich eintreten wollte, dies nicht unternehmen wird. Wir werden lieber der FDP beitreten und uns dort engagieren, da auch die AFD für uns keine Alternative darstellt, und wir gerade der FDP als treibende Kraft die Mehrwertsteuersenkung im Jahre 2010 zu verdanken haben.

Überdenken Sie um Himmels Willen Ihr Vorhaben und halten Sie sich in Zukunft mit weiteren unbedachten Äußerungen dieser Art besser zurück. Es stehen für Sie nicht nur knapp 3 Mio. Wählerstimmen auf dem Spiel, das ist nämlich bekanntlich ungefähr die Anzahl aller Beschäftigter im Gastgewerbe in Deutschland, sondern vor allem auch die Zukunft unseres Landes!

Mit gastfreundlichen Grüßen vom schönen Niederrhein

Ihre Gastgeber aus Leidenschaft

Wolfgang Gödeke, Cornelius Poppe,

(Hotel-Restaurant an der Burgschänke in Alpen, NRW)

(Quelle)

#ermäßigteMehrwertsteueraufHotelübernachtungen #BUHLMedienAgenturundVerlagGmbH #FriedrichMerz

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