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Nicht noch eine Vorschrift!


Was ist los in Dresden und der Welt

Die Diskussion um verpflichtende Herkunftsangaben auf Speisekarten hat jüngst wieder Auftrieb bekommen. Gute Idee! Denn wenn in der Gastronomie ein Mangel herrscht, dann an Verbraucherschutz-Vorschriften…

Autor: Clemens Kriegelstein

Der österreichische Handelsverband steht einer Diskussion über eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln offen gegenüber, fordert im Gegenzug aber das Gleiche in der Gastronomie. Alles andere sei aus Verbrauchersicht nicht nachvollziehbar. Als ob es in der Gastronomie keine anderen Sorgen gäbe, als ob der Verbraucherschutz – Stichwort Allergenkennzeichnung – nicht schon jetzt teils abstruse Ausmaße annehmen würde, also ob der durchschnittliche Gastronom nicht schon mit genügend anderen Bürokratie-Ärgernissen konfrontiert wäre.

Wer möchte, dem steht es natürlich seit jeher schon frei, auf der Speisekarte zu betonen, dass die verwendeten Eier ausschließlich von freilaufenden, glücklichen Hühnern stammen, die Fische aus dem hauseigenen Teich und das Rindfleisch vom zehn Kilometer entfernten Bio-Bauernhof. Und auch Qualitätsauszeichnungen wie etwa das AMA-Gütesiegel sind heute schon ein Zeichen für eine nachvollziehbare Herkunft und Qualitätsstandards, die die gesetzlichen Vorgaben übertreffen.

Allerdings – und so offen muss man auch sein – gibt es auch Gastronomen, bei denen neben der Qualität der Ware der Einkaufspreis vielleicht eine wichtigere Rolle spielt, als die Herkunft. Ob die Gans jetzt aus dem Burgenland oder aus Ungarn stammt, das Schnitzel aus Deutschland oder Österreich, die Paradeiser aus Spanien oder Italien, ist nicht immer der ganz entscheidende Faktor. Also jedes Mal die Speisekarte umschreiben wenn der C&C-Markt ein Sonderangebot hat?

Vorteile für Systemgastronomieketten Schon klar, ein Handelsriese wie Spar oder Rewe werden den Aufwand für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung verdauen. Und auch Systemgastronomieketten werden vielleicht einmal durchkalkulieren müssen, ob sie den finanziellen Mehraufwand für „herzeigbare“ Produkte auch wieder im Verkauf hereinbekommen. Aber für den Einzelgastronomen oder Koch, der beim Einkauf auf eventuelle Sonderangebote achten muss – oder der vielleicht auch sieht, dass ein Stück Rindfleisch aus Argentinien ausnahmsweise eine schönere Marmorierung aufweist, als seine Standardware aus den USA – für den wird der Spaß nur ein weiterer bürokratischer Mehraufwand.

Nicht zuletzt: Manche Speisekarten lesen sich mit dem Buchstabensalat (Allergene), der bei jedem Gericht dabeisteht, heute schon oft seltsam. Wenn jetzt noch bei den wichtigsten Zutaten die Herkunft aufgelistet wird und die nächste Lobby für (auch schon wiederholt diskutierte) verpflichtende Nährwertangaben sorgt, dann bekommen Speisekarten endgültig den Charakter von Arzneimittel-Beipacktexten. Dann könnte den Gästen das Essen aber auch schnell im Hals stecken bleiben. Guten Appetit!

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