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„Die Politik darf Deutschlands Gastgeber nicht allein lassen“


Dehoga-Präsident Guido Zöllick plädiert für ein sofortiges Rettungspaket für das Gastgewerbe. (Foto: ©Dehoga Bundesverband/Svea Pietschmann)


Wann Deutschlands Gasgewerbe wieder öffnen darf, ist unklar. Dehoga-Präsident Guido Zöllick fordert nun sofortige Unterstützung für die Branche – und kritisiert die überwiegenden Wirtschaftshilfen für Großkonzerne.

Autor: Kristina Presser


Die Corona-Maßnahmen gehen erneut in die Verlängerung – gelten nun bis mindestens 3. Mai 2020. Während sich etwa für den Einzelhandel und Schulen eine vorsichtige Lockerung der strengen Regelungen abzeichnet, hat die Politik zur Öffnung von Gastronomie und Hotels (auch für touristische Zwecke) kein Datum in Aussicht gestellt. Im Gegenteil. Von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hieß es, dass diese Branche eher eine der letzten sein wird, für die Lockerungen angedacht sind. Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bundesverband) über die Problematik für das Gastgewerbe: „Unsere Betriebe waren die ersten, die geschlossen wurden, und sind nun die letzten, die wieder öffnen dürfen.“ Dabei betonte er, dass das Gastgewerbe alles akzeptiert, was gesundheitspolitisch geboten sei. Allerdings müssten die Maßnahmen nachvollziehbar und begründet sein. „Umso wichtiger ist jetzt ein sofortiges Rettungspaket für die Branche, wie wir es von Beginn an gefordert haben.“ Das sei die einzige Möglichkeit, „eine Pleitewelle nie gekannten Ausmaßes und Massenarbeitslosigkeit“ zu verhindern.


Die Forderungen des Dehoga im Einzelnen

  • Reduzierte Mehrwertsteuer Die wichtigste Hilfsmaßnahme sei, laut Dehoga, die Einführung eines reduzierten Mehrwertsteuersatzes für gastronomische Umsätze ab dem ersten Tag der Wiedereröffnung. Guido Zöllick: „Mit sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer könnten die nicht unerheblichen Umsatzausfälle aufgrund der dann einzuhaltenden Abstandsregelungen ein wenig kompensiert werden – und das völlig unbürokratisch, antragslos und sofort wirksam.“ Außerdem würde die reduzierte Steuer mittelfristig helfen, aufgenommene Kredite auch tilgen zu können. Im Abhol- und Liefergeschäft, das derzeit von einigen Unternehmen angeboten wird, würden bereits sieben Prozent Umsatzsteuer gelten. „Wir brauchen jetzt dringend Maßnahmen, die Perspektiven eröffnen und Mut machen“, sagte Zöllick.

  • Einrichtung eines Rettungs- und Entschädigungsfonds Abgesehen von der steuerlichen Erleichterung, fordert der Dehoga-Präsident auch die Bildung eines Rettungs- und Entschädigungsfonds für das Gastgewerbe, um die dramatischen Folgen der Corona-Krise abzufedern. „Es darf nicht sein, dass Deutschlands Gastgeber nur mit einer hohen Verschuldung aus der Krise gehen, sollten sie sie überhaupt überstehen, und keine Entschädigung erhalten“, sagte Zöllick. „Hier muss schnellstens ein Rettungsfonds mit direkten Finanzhilfen für die Betriebe geschaffen werden.“ Andere Branchen hätten in weitaus weniger dramatischen Situationen hohe staatliche Unterstützungsleistungen erhalten.

Sollten die geforderten Hilfen von politischer Seite nicht umgesetzt werden, befürchtet Zöllick, dass Tausenden kleinen und mittelständischen Betrieben die Luft ausgehe: „Unsere Familienbetriebe haben nicht die Rücklagen und Möglichkeiten großer Industrie oder Versicherungskonzerne, um aus eigener Kraft aus der Krise herauszufinden. Damit steht die einzigartige Vielfalt von Gastronomie und Hotellerie in Deutschland auf dem Spiel.“ Ganze touristische Strukturen drohten zerstört zu werden.


„Die Politik darf Deutschlands Gastgeber nicht allein lassen“

Zwar erkenne die Branche die bislang getroffenen Maßnahmen der Bundesregierung sowie der Landesregierungen an, aber sie reichen definitiv nicht aus. „Die Politik darf Deutschlands Gastgeber, die öffentlichen Wohnzimmer unserer Gesellschaft, die maßgeblich zur Lebensqualität beitragen, in diesen schwersten Tagen ihrer Geschichte nicht allein lassen“, appellierte Zöllick. „Es kann und darf nicht sein, dass nur Großkonzerne durch den sogenannten Wirtschaftsstabilisierungsfonds gerettet werden und 223.000 gastgewerbliche Betriebe mit 2,4 Millionen Beschäftigten das Nachsehen haben.“ Hier müsse nachgebessert und das notwendige Rettungspaket auf den Weg gebracht werden. (Dehoga/KP)

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