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„Die Politik macht jedes Fünkchen Hoffnung zunichte“


Jürgen Gangl, 1. Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland (HDV), bezieht Stellung zur aktuellen Situation der Hotellerie in der Corona-Krise – und findet deutliche Worte.

Autor: Kristina Presser Angesichts der sich erneut zuspitzenden Lage für die Hotellerie aufgrund steigender Infektionszahlen und teils verheerenden politischen Entscheidungen, findet Jürgen Gangl, 1. Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland (HDV), klare Worte. In einer Stellungnahme verurteilt er die Entscheidungen auf Bundes- und Länderebene und wehrt sich dagegen, dass eine ganze Branche grundlos stigmatisiert wird.

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Irritiert hat Jürgen Gangl unter anderem der Appell von Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Videoblock: „Ohne offiziellen Beschluss ruft sie kurz nach dem Bund-Länder-Gipfel am 14. Oktober, der sich nicht über das Beherbergungsverbot einigen konnte, die Deutschen dazu auf, nicht zu verreisen, zu Hause zu bleiben und sich nicht in den Urlaub zu begeben. Mit dem Beherbergungsverbot und dem Appel der Bundeskanzlerin wurde durch die Hintertür der zweite Lockdown für die Hotellerie eingeläutet.“ Einer gesamten Branche werde damit schrittweise die Existenzgrundlage entzogen. Die „unwürdige Diskussion über das Beherbergungsverbot“ hätte Gangl gezeigt, dass die Ministerpräsidenten der Länder in den Wahlkampfmodus umgeschaltet hätten, „und daran denken, ihr Politikerego zu befriedigen“.


Kritik an grundloser Verurteilung einer Branche

Verwirrend auch die Tatsache, dass innerhalb kurzer Zeit Gericht in verschiedenen Bundesländern die Beherbergungsverbote gekippt haben und sogar Politiker zurückgerudert sind. „Die Politik beschädigt zurzeit gezielt die in den vergangenen Wochen leichte Geschäftsverbesserung in der Branche und macht damit jedes Fünkchen Hoffnung zunichte. Betriebe, die um ihre Existenz kämpfen, werden so ohne eigenes Verschulden immer weiter in die Insolvenz gedrängt. Und die Politik sieht untätig zu“, resümiert der HDV-Vorsitzende. Es sei unverständlich, dass einer Branche seitens der Politik unterstellt werde, für die Verbreitung des Virus in hohem Maße mit verantwortlich zu sein, wobei dafür keinerlei Belege vorliegen. Im Gegenteil. In den vergangenen Monaten habe das Gastgewerbe „hoch professionell auf die Pandemie reagiert“ und nicht selten deutlich mehr Maßnahmen umgesetzt als von behördlicher Seite gefordert. Selbsterklärend, dass dies mit einigem finanziellen Aufwand verbunden ist. Es scheine, laut Gangl, als gebe es seitens der Politik für unsere Branche kein Konzept. Im Folgenden nennt er dabei längst überfällige Aktivitäten:

  1. Die Branche muss finanziell unterstützt werden zum Beispiel durch Mietkostenzuschüsse oder gesetzliche Regelungen in Sachen Pachtminderung in wirtschaftlichen Notlagen. Das ist elementar.

  2. Es muss deutlich kommuniziert werden, dass Geschäftsreisen erlaubt und machbar sind. Unternehmen wollen und müssen Geschäfte machen, dazu gehören Reisen.

  3. Die „Kleinstaaterei“ in unserem Land sollte schnell ein Ende finden, sonst ist der massive wirtschaftliche Schaden nicht mehr aufzuhalten.

  4. Die Negativkommunikation muss gestoppt werden. Allein das Wort „Beherbergungsverbot“ sendet das falsche Signal aus und schürt diffuse Ängste.

  5. Wir brauchen mehr Kontrollen und stehen für diese jederzeit zur Verfügung.

  6. Der Einsatz von Corona-Schnelltests insbesondere für Veranstaltungen sollte vorangetrieben werden.

„Die Tatsache, dass die nächste Entscheidung in Sachen Beherbergungsverbot auf den 8. November verschoben wurde, zeigt einmal mehr, über wie wenig Branchenkenntnis und Interesse an der Hotellerie die Politik verfügt. Mit jedem Tag, an dem das Beherbergungsverbot gilt, wird die Situation prekärer. Strikte Maßnahmen sind im Kampf gegen das Virus unumgänglich. Sie müssen aber angemessen sein und andere Risiken berücksichtigen“, betont Jürgen Gangl. (HDV/KP)

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