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Maßnahmen retten Banken, nicht die Gastronomie


Patrick Rüther (l.), Vorstandsvorsitzender des Leaders Club Deutschland, und Michael Kuriat, Leaders Club-Präsident, setzen sich gemeinsam für Nachbesserungen beim Corona-Hilfsprogramm des Bundes zugunsten der Gastronomie ein. (Foto: ©Leaders Club Deutschland)

Das Gastronomen-Netzwerk Leaders Club Deutschland kritisiert das Hilfsprogramm des Bundes scharf und fordert schnelle Nachbesserungen für die Branche. Eine Mitgliederumfrage zeigt zudem das geringe Vertrauen in die Hilfen.

Autor: Kristina Presser


Jetzt hat sich auch das Gastronomie-Netzwerk Leaders Club Deutschland zu Wort gemeldet und den von der Bundesregierung beschlossenen Rettungsschirm als unzureichend und für die Branche in vielerlei Hinsicht ungeeignet kritisiert. Eine eigene Mitglieder-Umfrage würde diesen Eindruck bestätigen: „Es handelt sich um ähnliche Maßnahmen wie jene, die 2008 in der Bankenkrise große Konzerne retten sollten. Diese sind für mittelständische Gastronomie- und Dienstleistungsbetriebe das falsche Rezept“, sagt Leaders Club-Präsident Michael Kuriat. „Unsere Branche braucht Steuererleichterungen und unbürokratische Zuschüsse wie beispielsweise eine anteilige Umsatzerstattung. Diese sollten sich an geleisteten Steuerzahlungen und BWAs orientieren, damit vor allem steuerehrliche Unternehmen und ihre Mitarbeiter profitieren.“

Daher fordert der Leader Club von der Bundesregierung unter anderem dringende Nachbesserungen bei den nicht-zurückzuzahlenden Soforthilfen für kleine und mittelständische Unternehmen. Vorstandsvorsitzende Patrick Rüther: „Zurzeit gibt es bundesweit einen Flickenteppich an Geldern, die nach unterschiedlichen Voraussetzungen beantragt werden können.“ Die Erfahrungen vieler Unternehmer in den letzten Tagen zeigen: Das Antrags- und Prüfungsprozedere greift zu langsam. Außerdem verschieben Kredite das Problem nur in die Zukunft, da es für die Gastro-Branche keine Nachholeffekte gibt. Rüther weiter: „Die neuen Maßnahmen der Bundesregierung befreien die Banken, die bereits vor zehn Jahren durch Steuergelder gerettet wurden, von jeglichem Risiko. Wir als Gastronomen sind jedoch mehr als skeptisch, die jetzt gewährten Kredite bedienen zu können, zumal es nach aktuellem Stand noch eine ganze Zeit dauern wird, bis wir unsere Läden wieder öffnen können.“


Nachbesserungen auch beim Kurzarbeitergeld notwendig

Auch das Kurzarbeitergeld sei für die Gastronomie weniger hilfreich als für andere Branchen, erklärt Rüther: „Mitarbeiter rechnen steuerfreie Zuschläge und Trinkgelder fest in ihre monatliche Ausgabenplanung ein.“ Wenn sie nun 60 Prozent ihres Nettoeinkommens als Kurzarbeitergeld bekämen, reiche das bei Weitem nicht aus, um alle Kosten zu decken. Aushilfen, die im Gastgewerbe einen großen Teil der Beschäftigten ausmachen, fallen durch das Raster. „Für sie und die Bezieher niedriger Gehälter muss das Kurzarbeitergeld deshalb unbedingt erhöht werden.“

Eine Befragung der eigenen Mitglieder zu staatlich versprochenen Hilfen zeigt: Das Vertrauen gerade kleiner und mittelständischer Unternehmen in die beschlossenen Maßnahmen ist gering, wie es in einem offiziellen Schreiben des Leaders Club heißt. Hilfeleistungen wie die Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen, die Herabsetzung von Steuervorauszahlungen und die Erstattung von Umsatzsteuervorauszahlungen helfen nach Ansicht der befragten Unternehmen allenfalls kurzfristig. Auch, dass das Hilfsprogramm so undurchsichtig sei und die bürokratischen Hürden hoch seien, wurde bemängelt. Nur wenige Gastronomen gehen dagegen davon aus, dass die Maßnahmen tatsächlich die Existenz sichern.


Leaders Club Umfrag zu Wirksamkeit von Maßnahmen in der Corona-Krise. (Grafik: ©Leaders Club Deutschland)


Düstere Zukunftsaussichten

Für die Zukunft erwarten die befragten Gastronomen – vor allem im ländlichen Raum – einen deutlichen Verlust des Angebots, eine Marktbereinigung um 40-50 Prozent und, dass sich der wirtschaftliche Druck auf die Betriebe weiter erhöhen wird. Der hohe Aufwand für Bürokratie und der Mitarbeitermangel, zwei der drängendsten Probleme der vergangenen Jahre, dürften sich nach Ansicht der Leaders Club-Mitglieder weiter verschärfen.

Auch die Frage danach, was unmittelbar nach dem Shutdown kommt, beschäftigt die deutsche Führung des Branchen-Netzwerks. Leaders Club-Präsident Michael Kuriat: „Wir rechnen damit, dass viele Restriktionen zunächst weiter gelten werden.“ Ein Normalbetrieb wie vor Corona wird bis mindestens Ende dieses Jahres kaum möglich sein.“ Hinzu kommt, dass einmal verlorener Umsatz – anders als in anderen Branchen – in der Gastronomie nicht nachgeholt werden kann. „Die Pandemie wird das Land langfristig verändern.“


„Gastronomie ist einer der Mittelpunkte des sozialen Lebens“

Michael Kuriat erinnert einmal mehr an die enorme Bedeutung der Branche für die deutsche Gesellschaft: „Es geht nicht nur um die mehr als 220.000 Betriebe und 2,4 Mio. Mitarbeiter, sondern auch um den Freizeit- und Erholungswert in allen deutschen Städten und Gemeinden. Die Gastronomie ist einer der Mittelpunkte des sozialen Lebens!“ Patrick Rüther ergänzt: „Wir möchten nicht, dass der Eindruck entsteht, dass wir immer nur mehr Geld verlangen. Aber jede Privatperson, die unverschuldet ihr Einkommen verliert, wird in Deutschland unterstützt. Wir wünschen uns, dass der Staat in dieser Situation auch an unserer Seite steht!“


Zur Umfrage: Der Leader Club Deutschland hat seine Mitglieder im Zeitraum von 1. Bis 3. April 2020 zur aktuellen Lage und der Wirksamkeit von Maßnahmen in der Corona-Krise befragt.

  • Anzahl Befragte Unternehmer: 39

  • Repräsentierte gastronomische Betriebe: 310

  • Repräsentierte Anzahl Beschäftigte: 487

  • Durchschnittlicher Anteil an Beschäftigten in Kurzarbeit: 68 %

  • Durchschnittlicher Anteil an Entlassungen: 17%

  • Durchschnittlicher Zeitraum, nach dem unter aktuellen Bedingungen Insolvenz angemeldet werden müsste: 9 Wochen

(Leaders Club/KP)

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