Singapur lässt Fleisch aus dem Labor zu



Mit der Marke GOOD Meat bringt das US-Start-up Eat Just erstmals künstlich aus tierischen Zellkulturen erzeugtes Hühnerfleisch auf den Markt. Bald soll es im Restaurant und für Verbraucher erhältlich sein.

Autor: Kristina Presser Singapur erlaubt die Verwendung von im Labor gezüchtetem Hühnerfleisch für den Lebensmittelmarkt. Es ist die erste behördliche Zulassung dieser Art weltweit. Lieferant ist das US-Start-up Eat Just, das erklärte, unter der neuen Marke GOOD Meat Fleisch direkt aus tierischen Zellen zu produzieren. Das Unternehmen plant, mehrere Produktlinien des In-vitro-Hähnchenfleisches auf den Markt zu bringen.

Im Laufe vieler Monate, so berichtet Eat Just, habe ein Team aus Wissenschaftlern, Produktentwicklern und Regulierungsexperten eine umfangreiche Dokumentation über die Charakterisierung des Zucht-Hühnerfleischs und den Herstellungsprozess erstellt. Das beinhalte Einzelheiten über die Reinheit, Identität und Stabilität der Hühnerzellen während der Produktion sowie eine detaillierte Beschreibung des Herstellungsprozesses. Dadurch würde die Sicherheit und Qualität belegt, wie es heißt. Schließlich sei eine „umfassende Sicherheitsüberprüfung durch die Singapore Food Agency (SFA) erfolgt“, Singapurs Aufsichtsbehörde, die mit der Gewährleistung einer sicheren Lebensmittelversorgung betraut ist.


Keine Antibiotika nötig

Der Herstellungsprozess des künstlich erzeugten Hühnerfleischs gelang in über 20 Produktionsläufen in 1.200-Liter-Bioreaktoren, erklärt Eat Just. Bei diesem geschützten Verfahren würden keine Antibiotika verwendet. Sicherheits- und Qualitätsvalidierungen hätten vielmehr gezeigt, dass das kultivierte Fleisch den Standards von Geflügelfleisch entspreche und vielmehr einen „sehr niedrigen Keimgehalt im Vergleich zum Fleisch herkömmlicher Hühner“ aufweise.

Inzwischen hat Eat Just auch bereits Kontakt zu lokalen Produzenten in Singapur aufgenommen, die das In-vitro-Hühnerfleisch herstellen sollen. Das fertige Produkt soll schließlich an End-Verbraucher verkauft werden, aber auch an ein Restaurant. Vom Stadtstaat aus soll die Lebensmittelinnovation letztlich ihren Siegeszug im asiatisch-pazifischen Raum antreten. Genaueres dazu ist aber noch nicht bekannt.

Künstlich erzeugtes Fleisch als Mittel gegen globale Probleme unserer Zeit

Wie Eat Just betont, könne kultiviertes Fleisch zu einer sichereren und gesicherten weltweiten Lebensmittelversorgung beitragen. Die globale Fleischproduktion habe dramatisch zugenommen und bis 2050 werde der Verbrauch, laut Eat Just, voraussichtlich um über 70 Prozent steigen. Um diese wachsende Nachfrage zu bedienen, müsste die Massentierhaltung ebenfalls dramatisch ausgeweitet werden – eine Entwicklung, die nicht nur gegen das Tierwohl spricht, sondern auch Ressourcen belastet, der Umwelt schadet und schließlich den Klimawandel fördert. Nicht zuletzt würde häufiger Fleischkonsum die Gesundheit der Bevölkerung beeinträchtigen.


Zur Wahl des Zulassungsstandortes sagte Josh Tetrick, Mitbegründer und CEO von Eat Just, dass Singapur seit langem führend bei Innovationen aller Art sei, von der Informationstechnologie bis zur Biologie, vor allem was den Aufbau eines gesünderen und sichereren Lebensmittelsystems betrifft. „Ich bin sicher, dass unsere behördliche Zulassung für Fleisch aus dem Labor die erste von vielen in Singapur und weltweit sein wird“, glaubt Tetrick. Durch die Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftssektor und vorausschauenden politischen Entscheidungsträgern könnten Unternehmen wie Eat Just dazu beitragen, die steigende Nachfrage nach Fleisch zu decken, ist er überzeugt. (Business Wire/KP)

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