Die Geschichte des Trinkgeldes -Passt schon!

 

 

Was ist los in Dresden und der Welt

 

Trinkgeld ist in unseren Breiten eine feste Größe in der Gastronomie und kann mitunter ein ziemlich gutes Schmerzensgeld für den anstrengenden Job sein. Doch woher kommt dieser Brauch eigentlich?

Autor: Clemens Kriegelstein

 

Es ist natürlich schön, wenn man Gäste wie den russischen Milliardär Roman Abramovich bedienen darf, der einst auf dem Münchner Oktoberfest jede Maß Bier mit einem 100-Euro-Schein bezahlt haben soll – ohne das Retourgeld einzufordern. In der Regel sind die meisten Kellner aber schon froh, wenn der fällige Betrag um fünf bis zehn Prozent aufgerundet wird. Aber wahrscheinlich hat jeder schon die Runden erlebt, die es richtig krachen lassen und dann bei einer Rechnung von 694 Euro cool sagen „700“. Und dann soll man sich noch bedanken… Umgekehrt erkennt man (ehemalige) Gastro-Mitarbeiter als Gäste oft eben daran, dass sie an ihre Kollegen denken und ein anständiges Trinkgeld liegen lassen. Aber wann und wie ist das Trinkgeld eigentlich entstanden?

 

Schon im Mittelalter üblich
In Deutschland wird die Bezeichnung erstmals im späten Mittelalter nachgewiesen. Adolph Freiherr von Knigge riet schon in seinem 1788 erschienenen Werk „Über den Umgang mit Menschen“, „dem Wagenmeister ein gutes Trinkgeld zu geben“. Den Ursprung des deutschen Wortes kann man darin sehen, dass der Spender das Geld mit dem Wunsch gab, man möge es auf sein Wohl vertrinken. Woher die englische Bezeichnung „tip“ kommt, ist indes ungewiss. Bezweifelt wird von Sprachwissenschaftlern die oft gehörte Erklärung, dass „tip“ die Abkürzung von „to insure promptness“ ist, da Akronyme in der englischen Sprache erst nach 1920 üblich wurden. Wahrscheinlicher stammt das Wort eher aus der Gangstersprache des 17. Jahrhunderts, wo „to tip“ etwa „geben, weitergeben, weiterleiten“ bedeutet habe.

Eine wesentliche Bedeutung im Gastgewerbe bekam das Trinkgeld jedenfalls in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch den allmählich einsetzenden Massentourismus. Gleichzeitig fühlten sich aber immer mehr Reisende und Lokalgäste als Opfer eines „geldgierigen“ Personals, das kaum mehr festen Lohn erhielt und daher auf die freiwilligen Gaben der Gäste angewiesen war. Prompt folgten Debatten über die moralische Bedeutung des Trinkgeldes, das eine „knechtische Gesinnung“ fördere und Kellner zu Sklaven degradiere. Um 1900 wurde sogar eine bürgerliche „Anti-Trinkgeld-Liga“ gegründet. Doch diese erwies sich als ebenso unwirksam, den inzwischen weitverbreiteten Trinkgeld-Brauch einzudämmen, wie diverse Gesetzesinitiativen bis hinein in die Weimarer Republik.

 

Trinkgeld ist Ländersache
Allerdings ist das Trinkgeld-Geben keine universelle Angelegenheit, sondern von Kontinent zu Kontinent, oft sogar von Land zu Land verschieden. In den meisten mitteleuropäischen Ländern fährt man mit den oben erwähnten fünf bis zehn Prozent fast immer gut. Spannenderweise hat aber just im Tourismusland Nr. 1, in Italien, das Trinkgeld außerhalb der Tourismuszonen eine relativ geringe Bedeutung. Da werden Rechnungsbeträge von Einheimischen maximal aufgerundet oder man lässt ein paar Münzen auf dem Tisch liegen und wer sich an der Bar seinen Kaffee oder sein Glas Wein selber holt und den geforderten Betrag auf den Cent genau herausgeben lässt, erntet auch nicht unbedingt eine hochgezogene Augenbraue.

In den USA wiederum sollte man als Gast schon tiefer in die Tasche greifen. 15 Prozent sind dort ungefähr das absolute Minimum, bei Zufriedenheit des Gastes werden gerne auch mal 20 oder sogar 25 Prozent tip erwartet – geschuldet einem lächerlichen Mindestlohn in der Gastronomie, der die Personalkosten fast zur Gänze an den Kunden weiterreicht und dadurch die Mitarbeiter auf Gedeih und Verderb der Zufriedenheit und Großzügigkeit der Gäste aussetzt. Das geht so weit, dass in manchen Lokalen die obligaten 15 Prozent tip schon automatisch auf die Rechnung aufgeschlagen werden und man als Gast ziemlichen Erklärungsbedarf hat, wenn man diese wieder wegstreicht.

Extrem auch in vielen Ländern des arabischen Raums, wo das „Bakschisch“ von Touristen für buchstäblich jeden Handgriff erwartet wird.

 

In Fernost eine Beleidigung
Das genaue Gegenteil findet man dafür in Ostasien, etwa in Japan oder China, wo Trinkgeld keinerlei Tradition hat und im schlimmsten Fall sogar als Beleidigung angesehen wird. Sein Bestes für den Kunden zu geben wird schließlich als Selbstverständlichkeit betrachtet. Doch der internationale Fremdenverkehr hat selbst dort schon seine Spuren hinterlassen und zumindest in touristisch erschlossenen Regionen oder internationalen Hotels wird Trinkgeld inzwischen auch in Fernost schon gerne gesehen.

Einfach besser informiert, mit der Lust auf Dresden - App, Einfach QR-Code scannen oder gratis download in deinem Store. 

 

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

MapsGuide Projektmanagement 01277 Dresden, Jüngststraße 13 Tel. (49) 351 312 588 21

Mail: kontakt@mapsguide-projektmanagement.de

  • Facebook - Black Circle
  • Twitter - Black Circle
  • RSS - Feed

© 2016 by LUST AUF DRESDEN. Created by MapsGuide Projektmanagement