Weinmesse Dresden mit Besucherrekord – viel Interesse, klare Trends und eine überraschend schwache Präsenz aus Sachsen
- Redaktion
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Noch mehr Genussempfehlungen aus Dresden und der Region findet ihr in unserem

Wir waren am letzten Wochenende vor Ort, haben probiert, Gespräche geführt – und vor allem beobachtet, wohin sich die Branche bewegt. Über 2.000 Besucher sprechen eine klare Sprache: Die Weinmesse in Dresden zieht. Rund 300 Gäste mehr als im Vorjahr zeigen, dass das Thema Genuss – gerade beim Wein – wieder deutlich an Fahrt aufnimmt.
Und trotzdem gehen wir mit einem gemischten Gefühl nach Hause.
Viel Publikum – aber wo bleibt Sachsen?
Die Hallen waren gut gefüllt, die Stimmung entspannt, neugierig, teilweise fast schon fachlich. Viele Besucher kamen gezielt, wussten, was sie suchen, stellten Fragen, diskutierten mit Winzern. Genau so muss eine Messe funktionieren.
Was uns allerdings überrascht hat: Gerade einmal zwei Aussteller aus Sachsen.
Mit der Meißner Weinwerkstatt und dem Weingut von Maria Lehmann aus Diesbar-Seußlitz war die Region vertreten – und das durchaus stark. Gerade die Scheurebe von Maria Lehmann hat uns begeistert: klar, aromatisch, mit genau der Frische, die man sich von dieser Rebsorte erhofft.
Aber: Für eine Weinmesse in Dresden ist das schlicht zu wenig. Wir finden, hier wird Potenzial verschenkt – sowohl von Veranstaltern als auch von regionalen Betrieben.

Alkoholfrei ist längst kein Nischenthema mehr
Ein Punkt, der uns wirklich positiv aufgefallen ist: die zusätzliche Liste für alkoholfreie Produkte.
Das ist kein Feigenblatt mehr, sondern ein klarer Branchentrend.
Der Grund dafür ist spannend – und technisch aufwendig:
Vakuumverfahren – wie alkoholfreier Wein entsteht
Bei hochwertigen alkoholfreien Weinen kommt häufig die sogenannte Vakuumdestillation zum Einsatz. Dabei wird dem fertigen Wein unter stark reduziertem Druck der Alkohol entzogen.
Der entscheidende Vorteil:
Durch den geringeren Druck sinkt der Siedepunkt des Alkohols deutlich – teilweise auf unter 30 Grad. Dadurch bleiben Aromen, Fruchtigkeit und Struktur weitgehend erhalten, weil der Wein nicht „erhitzt“ wird wie bei einfachen Verfahren.
Das Ergebnis ist kein Traubensaft-Ersatz, sondern tatsächlich ein Wein mit Charakter – nur eben ohne Alkohol.
Unser klarer Favorit auf der Messe:„The Zhero Secco Muskateller“ von den Weingärtnern Cleebronn-Güglingen.

Für uns der perfekte Einstieg in den Messetag. Frisch, aromatisch, überraschend nah am klassischen Secco – und genau das zeigt, wie weit die Entwicklung inzwischen ist.
Praktisch gedacht: Wein aus dem Zapfhahn
Ein zweiter Trend, der auffällt: neue Verpackungsformen.

Die sogenannten „Cool Monkey“-Weine im 1,5-Liter-Kunststoffbehälter mit Zapfhahn wirken im ersten Moment ungewöhnlich – funktionieren aber erstaunlich gut.
Wir haben probiert:
Kein merklicher Unterschied zur Flasche.
Gerade für unterwegs, Reisen oder Veranstaltungen ist das eine Lösung, die man im Auge behalten sollte. Riesling mit Sauvignon Blanc, Vernatsch Rosé oder rot – alles feinherb, zugänglich, unkompliziert.
Nicht spektakulär, aber genau richtig für viele Gelegenheiten.
Solide Basis: Essen und Atmosphäre
Kulinarisch wurde die Messe wie gewohnt vom Maritim-Hotel begleitet. Kein großes Fine Dining, aber ein solides, gut strukturiertes Mittagsangebot.
Und das ist wichtig – denn wer sich durch viele Weine probiert, braucht genau diese Pause.
Die Atmosphäre insgesamt:
Offen, kommunikativ, angenehm unaufgeregt. Kein überinszeniertes Event, sondern eine Messe, die vom Austausch lebt.
Für wen lohnt sich die Weinmesse?
Ganz klar:
Für Genießer, die entdecken wollen. Für Einsteiger genauso wie für Kenner.
Wer allerdings gezielt nach regionalem Wein aus Sachsen sucht, wird aktuell noch zu wenig abgeholt. Hier sehen wir dringend Nachholbedarf.
Unser Fazit
Die Weinmesse in Dresden wächst – und das zu Recht.
Der Besucherrekord zeigt: Das Interesse ist da. Die Branche entwickelt sich weiter, gerade beim Thema alkoholfrei und bei neuen Konzepten.
Aber:
Wenn Dresden als Genussstandort ernst genommen werden will, muss auch Sachsen selbst stärker sichtbar werden.
Wir finden: Genau darin liegt die größte Aufgabe für die kommenden Jahre.
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Diskussionsfrage:
Braucht Dresden mehr regionale Präsenz auf solchen Genuss-Events – oder reicht die internationale Vielfalt?
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