Großer Winterberg in der Sächsischen Schweiz bleibt geschlossen – Unternehmer kritisiert Bürokratie nach jahrzehntelangem Kampf
- Redaktion

- vor 55 Minuten
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Der Große Winterberg in der Sächsischen Schweiz steht seit Jahren leer – und die Diskussion um die Zukunft des historischen Berghotels flammt erneut auf. Anlass ist ein persönlicher Beitrag von Unternehmer Marc Henkenjohann, der heute vor genau 32 Jahren am 20. Mai 1994 nach eigenen Angaben begann, die Vision eines besonderen Berghotels auf dem höchsten Objekt der Sächsischen Schweiz wiederzubeleben.
Das Gebäude auf dem Großen Winterberg wurde bereits 1848 zur Zeit des sächsischen Königs Friedrich August II. erbaut und galt lange als besonderer Ort mitten im Nationalpark Sächsische Schweiz.
Henkenjohann beschreibt jetzt öffentlich, wie aus der ursprünglichen Vision über Jahrzehnte ein permanenter Kampf gegen Genehmigungen, Auflagen und Bürokratie wurde. Nach eigenen Aussagen wurde 22 Jahre lang geplant, gebaut und investiert, ehe das Haus am 31. Oktober 2016 endgültig schließen musste. Grund war die Situation rund um die vorhandene Kläranlage, die nicht weiter genutzt werden durfte. Trotz nach eigenen Angaben 18 Jahren intensiver Bemühungen habe sich keine finanzierbare und gleichzeitig genehmigungsfähige Lösung finden lassen.
Besonders bemerkenswert ist dabei ein Satz, der ziemlich tief blicken lässt: Inzwischen befindet sich der Große Winterberg wieder im Eigentum des Freistaates Sachsen – und selbst auf staatlicher Ebene sei bis heute offenbar keine tragfähige Lösung entstanden.
Wir sehen darin ein Problem, das weit über einen einzelnen Hotelstandort hinausgeht.
Denn der Große Winterberg ist nicht irgendein Gastronomiebetrieb. Es geht hier um einen historisch bedeutenden Ort mitten in einer der wichtigsten Tourismusregionen Sachsens. Wenn selbst dort über Jahre keine Lösung gefunden wird, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie realistisch komplexe Projekte für private Betreiber überhaupt noch umsetzbar sind.
Aus unserer Sicht beschreibt der Fall ziemlich exemplarisch die Schieflage vieler touristischer und gastronomischer Entwicklungen in Sachsen: Einerseits spricht man ständig über Regionalentwicklung, Tourismusförderung und nachhaltige Konzepte. Andererseits scheitern engagierte Betreiber regelmäßig an jahrelangen Verfahren, Zuständigkeiten und Auflagen.
Gerade in sensiblen Regionen wie dem Nationalpark Sächsische Schweiz ist das Thema natürlich kompliziert. Naturschutz, Infrastruktur und Tourismus müssen ausbalanciert werden. Aber genau deshalb wäre eigentlich eine klare politische Strategie notwendig gewesen – und nicht jahrelanger Stillstand.
Marc Henkenjohann ist in der Branche kein Unbekannter. Heute arbeitet er unter anderem als Unternehmensberater für Existenzgründer im Gastgewerbe. Sein Bruder Uwe Henkenjohann betreibt unter anderem das Hotel & Restaurant Quartier 5 in Gohrisch, die Ausflugsgaststätte auf dem Papststein sowie das Café Drehscheibe in Bad Schandau. Die Familie steht also seit Jahren sichtbar für touristisches Engagement in der Region.
Und genau deshalb wirkt die Geschichte des Großen Winterbergs auch emotional so stark. Hier geht es nicht um kurzfristige Investorenmodelle, sondern um Menschen, die über Jahrzehnte versucht haben, einen besonderen Ort zu erhalten.
Wir sehen darin inzwischen auch ein kulturelles Problem. Denn wenn historische Orte über Jahre leer stehen, verliert eine Region irgendwann nicht nur Gastronomie oder Tourismusangebote – sondern Identität.
Für Dresden und die Region ist das relevant, weil die Sächsische Schweiz einer der wichtigsten touristischen Magneten im Umfeld der Stadt bleibt. Solche Orte prägen das Bild der gesamten Region nach außen.
Die wichtigste Erkenntnis bleibt deshalb ernüchternd: Leidenschaft, Investitionsbereitschaft und regionale Verbundenheit reichen heute oft nicht mehr aus, wenn Verfahren, Zuständigkeiten und politische Entscheidungen über Jahrzehnte ungelöst bleiben.
Wie es mit dem Großen Winterberg weitergeht, ist weiterhin offen. Genau deshalb bleiben wir an dem Thema dran.
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