top of page

Leitungswasser im Restaurant: Italien urteilt – und was gilt eigentlich für Dresden und Deutschland?

Weitere Einordnungen und Entwicklungen der Branche findet ihr in der Region-Radar-Übersicht.

Leitungswasser im Restaurant: Was gilt?

Ein jahrelanger Streit zwischen einer Urlauberin und einem Luxushotel im italienischen Corvara in Badia hat jetzt ein höchstrichterliches Ende gefunden. Das oberste italienische Gericht entschied: Restaurants und Hotels sind nicht verpflichtet, ihren Gästen Leitungswasser auszuschenken.


Die Klägerin hatte Weihnachten 2019 in einem Fünfsternehotel mehrfach um ein Glas Leitungswasser gebeten. Stattdessen wurde ausschließlich Mineralwasser für rund sieben Euro angeboten. Ihre Forderung nach rund 2.700 Euro Entschädigung blieb letztlich erfolglos.


Die spannende Frage für Dresden, Sachsen und Deutschland lautet nun: Könnte ein Gast hierzulande erfolgreich auf Leitungswasser bestehen?


Die kurze Antwort lautet: Nein.


Auch in Deutschland gibt es keinen Anspruch auf kostenloses Leitungswasser

Anders als viele Gäste vermuten, existiert in Deutschland weder ein Anspruch auf kostenloses Leitungswasser noch eine gesetzliche Verpflichtung für Restaurants oder Hotels, Leitungswasser überhaupt anzubieten. Die EU-Trinkwasserrichtlinie empfiehlt zwar, Wasser kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr bereitzustellen, daraus entsteht für Gastronomen jedoch keine Pflicht.


Das bedeutet konkret:

Ein Restaurant kann

  • kostenlos Leitungswasser anbieten,

  • dafür Geld verlangen,

  • oder die Ausgabe komplett ablehnen.


Rechtlich liegt die Entscheidung beim jeweiligen Betrieb.


Warum das Thema gerade die Gastronomie beschäftigt

Wir sehen in Dresden seit einigen Jahren eine interessante Entwicklung. Während früher fast ausschließlich Flaschenwasser verkauft wurde, bieten inzwischen immer mehr Restaurants freiwillig Karaffen mit Leitungswasser an – häufig in Kombination mit einem Menü oder gegen eine kleine Servicepauschale.


Besonders in der gehobenen Gastronomie und bei modernen Restaurantkonzepten gehört das inzwischen oft zum Servicegedanken.


Gleichzeitig bleibt Wasserverkauf für viele Betriebe ein wirtschaftlicher Faktor. Getränke gehören traditionell zu den wichtigen Umsatzträgern eines Restaurants. Gerade in Zeiten steigender Personal-, Energie- und Einkaufskosten schauen viele Gastronomen deshalb genau auf diese Erlösquelle.


Für Dresden bedeutet das einen Kulturwandel

Aus unserer Sicht ist die eigentliche Nachricht nicht das italienische Urteil, sondern die veränderte Erwartung vieler Gäste.


Gerade jüngere Besucher fragen heute deutlich häufiger nach Leitungswasser als noch vor einigen Jahren:

  • aus Nachhaltigkeitsgründen,

  • wegen der hohen Qualität des deutschen Trinkwassers,

  • oder weil Mineralwasserpreise von sechs bis neun Euro pro Flasche zunehmend kritisch gesehen werden.


Dabei kommt ein interessanter Widerspruch zum Vorschein:

Deutschland verfügt über eines der am strengsten kontrollierten Trinkwassersysteme Europas. Trotzdem wird Leitungswasser in der Gastronomie vielerorts noch immer wie eine Ausnahme behandelt.


Hotellerie zwischen Service und Kalkulation

Für Hotels stellt sich die Frage ähnlich.


Wer ein Zimmer für mehrere hundert Euro pro Nacht bucht, erwartet häufig einen anderen Umgang mit einem Glas Wasser als in einer einfachen Gaststätte. Genau deshalb sorgt der italienische Fall europaweit für Aufmerksamkeit.


Wir beobachten, dass viele hochwertige Häuser in Dresden und der Region inzwischen bewusst Trinkwasserstationen, Wasserkaraffen oder kostenlose Wasserangebote integrieren. Nicht weil sie dazu verpflichtet wären, sondern weil es zunehmend als Servicequalität wahrgenommen wird.


Unsere Einordnung

Wir sehen hier keinen Rechtsstreit, sondern vor allem eine Service-Debatte.

Rechtlich ist die Lage in Deutschland eindeutig: Kein Restaurant und kein Hotel muss Leitungswasser kostenlos ausschenken.


Aus unserer Sicht wird die Frage künftig dennoch wichtiger. Gäste vergleichen internationale Erfahrungen immer stärker miteinander. Wer in Frankreich, Spanien oder Skandinavien selbstverständlich Wasser auf den Tisch bekommt, stellt dieselbe Erwartung irgendwann auch in Dresden.


Für Dresden bedeutet das: Nicht die Rechtslage wird entscheidend sein, sondern die Frage, welche Betriebe das Thema als modernen Service verstehen – und welche weiterhin ausschließlich auf Flaschenwasser setzen.


Fazit

Die wichtigste Erkenntnis aus dem italienischen Urteil ist überraschend einfach: Auch in Deutschland hätten die Chancen der Urlauberin vermutlich schlecht gestanden.


Spannender als die juristische Frage bleibt allerdings die Entwicklung in der Gastronomie selbst. Leitungswasser wird zunehmend zum Symbol dafür, wie Gäste Service, Nachhaltigkeit und Preis-Leistung bewerten.


Und genau deshalb dürfte die Diskussion noch lange nicht beendet sein.


Mehr Einordnung statt Schlagzeilen?

Wir analysieren Entwicklungen der Gastronomie regelmäßig.

👉 Weitere Themen im Gastro-Radar

👉 News-Ticker für aktuelle Entwicklungen


Diskussionsfrage:

Sollten Restaurants in Deutschland verpflichtet werden, Gästen kostenloses Leitungswasser anzubieten – oder muss diese Entscheidung weiterhin jedem Betrieb selbst überlassen bleiben?


Tags

20250203_112601.jpg

TOP-NEWS!

Was ist kulinarisch los in Dresden und Umgebung

Einmal wöchentlich stellen wir die Top-Genuss-News aus Dresden & der Region für dich zusammen und senden dir diese Information per E-Mail.

Danke für deine Anmeldung

Du weißt etwas, worüber wir unbedingt berichten sollten, dann kannst Du hier deine Nachricht direkt an unsere Redaktion senden.

Mehr aus Dresden & der Region entdecken

Du willst noch mehr aktuelle Entwicklungen, Restauranttipps und Trends aus der Stadt und der Region entdecken?
Dann schau auf unseren Übersichtsseiten vorbei und bleib immer auf dem neuesten Stand.
bottom of page