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Thüringen: 612 Gaststätten seit 2019 verschwunden – warum die Entwicklung auch Dresden und Sachsen betrifft

Weitere Einordnungen und Entwicklungen der Branche findet ihr in der Region-Radar-Übersicht.

Gaststättensterben in Thüringen

Die wirtschaftliche Lage im Gastgewerbe bleibt angespannt. Während viele Betriebe versuchen, ihre Preise trotz steigender Kosten stabil zu halten, verschwinden insbesondere in ländlichen Regionen immer mehr Gaststätten. Im Nachbarbundesland Thüringen hat sich diese Entwicklung inzwischen deutlich in den Zahlen niedergeschlagen: Seit 2019 haben dort 612 Gastronomiebetriebe geschlossen. Das entspricht einem Rückgang von mehr als zwölf Prozent.


Der Thüringer Hotel- und Gaststättenverband Dehoga spricht inzwischen offen von einem „Sterben der Gastronomie auf dem flachen Land“. Die Ursachen sind vielfältig: steigende Personal-, Energie- und Lebensmittelkosten, zurückhaltende Verbraucher, fehlende Nachfolger und eine anhaltend schwache Konjunktur.


Konsumflaute trifft Restaurants und Hotels

Nach Angaben des Thüringer Dehoga halten viele Menschen ihr Geld derzeit zusammen. Restaurantbesuche werden seltener, Hotelaufenthalte kürzer geplant. Gleichzeitig steigen die Betriebskosten weiter.


Dehoga-Geschäftsführer Dirk Ellinger sieht aktuell keine Trendwende. Die wirtschaftliche Lage sei für viele Betriebe angespannt und der Druck nehme weiter zu. Verbandspräsident Mark Kühnelt spricht sogar von einer „permanenten Ausnahmesituation“.


Dabei zeigt sich ein Problem, das weit über Thüringen hinausreicht. Die Branche lebt davon, dass Menschen bereit sind, Geld für Gastronomie, Freizeit und Reisen auszugeben. Genau diese Konsumbereitschaft ist derzeit vielerorts zurückgegangen.


Mehrwertsteuersenkung verhindert größere Preisexplosion

Interessant ist die Einschätzung vieler Thüringer Gastronomen zur reduzierten Mehrwertsteuer auf Speisen. Laut Dehoga nutzten zahlreiche Betriebe die Entlastung nicht für höhere Gewinne, sondern um Preissteigerungen abzufedern.


So berichtet Jacqueline Schambach-Hummel, Direktorin des Ahorn-Hotels in Oberhof, dass die sinkende Steuerbelastung praktisch vollständig von gestiegenen Personal-, Energie- und Lebensmittelkosten aufgezehrt wurde.


Auch Thomas Krauße vom Gasthaus „Zum Steinbruch“ in Gehren bei Ilmenau investierte die Entlastung nach eigenen Angaben in höhere Löhne und notwendige Modernisierungen.


Die Nachfolge wird zum nächsten großen Problem

Besonders alarmierend erscheint ein weiterer Wert: Rund 31 Prozent der Betriebe stehen innerhalb der kommenden zehn Jahre vor einer altersbedingten Betriebsübergabe.


Wir sehen genau darin eines der größten Risiken für die Gastronomie der kommenden Jahre. Selbst wirtschaftlich gesunde Betriebe können verschwinden, wenn sich keine Nachfolger finden.


Gerade familiengeführte Restaurants, Gasthäuser und Landhotels stehen vor dieser Herausforderung. Viele Betreiber möchten aufhören, finden aber niemanden, der das Unternehmen übernimmt.


Warum das für Dresden und Sachsen relevant ist

Auch wenn die aktuellen Zahlen aus Thüringen stammen, erkennen wir viele Parallelen zu Sachsen. Die Herausforderungen sind nahezu identisch: steigende Kosten, Personalmangel, bürokratische Belastungen und eine spürbar vorsichtigere Konsumhaltung vieler Gäste.


Für Dresden wirkt die Situation oft noch stabiler als im ländlichen Raum. Tourismus, Veranstaltungen und eine hohe gastronomische Dichte sorgen weiterhin für Bewegung im Markt. Doch außerhalb der Großstädte beobachten wir auch in Sachsen immer wieder Betriebsschließungen, verkürzte Öffnungszeiten und Schwierigkeiten bei der Nachfolgesuche.


Für die Region ist das relevant, weil Gastronomie weit mehr ist als nur Essen und Trinken. Gaststätten sind Treffpunkte, Arbeitgeber, touristische Anziehungspunkte und häufig ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens.


Investitionen werden aufgeschoben

Die aktuelle Unsicherheit schlägt sich inzwischen auch bei Investitionen nieder. Laut Verbandsumfrage haben 44 Prozent der Thüringer Betriebe geplante Investitionen gestoppt, lediglich zwölf Prozent wollen mehr investieren.


Das ist ein Warnsignal. Wer heute nicht investiert, verliert langfristig an Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig fehlt vielen Unternehmen aktuell die wirtschaftliche Sicherheit für größere Modernisierungen.


Hinzu kommen aus Sicht des Verbandes weitere bürokratische Belastungen und fehlende Fortschritte bei der Flexibilisierung von Arbeitszeiten.


Fazit

Die Zahlen aus Thüringen sind mehr als eine regionale Bestandsaufnahme. Sie zeigen, unter welchem Druck die Gastronomie aktuell steht. 612 geschlossene Betriebe seit 2019, zurückhaltende Gäste und fehlende Nachfolger sind Entwicklungen, die auch andere Regionen aufmerksam verfolgen sollten.

Für Dresden bedeutet das zwar nicht automatisch dieselbe Dynamik, doch die grundlegenden Herausforderungen sind identisch. Die Frage wird sein, ob Politik, Wirtschaft und Verbraucher gemeinsam Rahmenbedingungen schaffen, die gastronomische Vielfalt langfristig sichern können.

Wir bleiben an diesem Thema dran, denn die Zukunft der Gastronomie entscheidet sich nicht nur in den Innenstädten, sondern vor allem dort, wo das Wirtshaus oft noch Mittelpunkt einer ganzen Gemeinde ist.


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Diskussionsfrage:

Braucht die Gastronomie auf dem Land stärkere politische Unterstützung – oder entscheidet am Ende allein das Konsumverhalten der Gäste über das Überleben der Betriebe?


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Autor:

Redaktion Lust auf Dresden


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