395 Euro für ein Schnitzel – Luxusgag oder neues Kapitel der Wirtshausküche?
- Redaktion Lust auf Dresden

- vor 2 Stunden
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Ein Wiener Schnitzel für zwei Personen, preislich näher an einer Uhr aus der Auslage als am Stammtisch: Im Restaurant Spelunke steht mit der Variante „Kaiser Franz“ plötzlich ein Gericht auf der Karte, das polarisiert. 395 Euro – das ist keine Laune der Preistafel, sondern eine bewusste Ansage. Doch was steckt dahinter, und was bedeutet das für Gäste, Wirte und die Wahrnehmung österreichischer Küche?
Ein vertrautes Gericht – radikal aufgeladen
Die Idee ist ebenso simpel wie provokant: Man nimmt das bekannteste Wirtshausgericht des Landes und lädt es maximal auf. Statt Kalb kommt Wagyu ins Fett, die Panade wird vergoldet, dazu Kaviar, ein eigens komponiertes Zitronenparfum und klassische Beilagen. Reduktion statt Zirkus – zumindest im Anspruch. Küchenchef Alexander Knelle spricht nicht von Luxus um des Luxus willen, sondern von dem Versuch, innerhalb eines vertrauten Rahmens alles auf Spitzenqualität zu drehen.
Aufmerksamkeit als Währung
Wir ordnen das nüchtern ein: Der Preis ist Teil des Konzepts. In Zeiten, in denen Reichweite, Story und Instagram-Tauglichkeit über Erfolg mitentscheiden, funktioniert ein solches Gericht auch als Kommunikationsmotor. Ein 395-Euro-Schnitzel schafft Gesprächsstoff – und genau das verschafft Sichtbarkeit. Inhaber Michael Dvoracek denkt die österreichische Küche damit nicht neu, sondern weiter: Identität bewahren, Grenzen testen.
Für wen ist das gedacht?
Zielgruppen gibt es – und sie sind international. Kaufkräftige Gäste, die das Außergewöhnliche suchen, gehören ebenso dazu wie Neugierige aus der eigenen Stadt. Entscheidend: Das klassische Wiener Schnitzel bleibt parallel auf der Karte. Niemand wird verdrängt, niemand muss mitziehen. Der Luxus steht neben der Tradition, nicht an ihrer Stelle.
Was bedeutet das für die Branche?
Solche Experimente sind kein Rezept für jedes Haus. Aber sie zeigen, dass regionale Küche nicht zwangsläufig in Nostalgie verharren muss. Wer Haltung zeigt, klar kommuniziert und handwerklich liefert, kann selbst mit Ikonen spielen, ohne sie zu verraten. Für viele Betriebe ist das ein Denkanstoß: Wertschöpfung entsteht nicht nur über Menge und Marge, sondern auch über Idee, Mut und Erzählung.
Unser Fazit
Wir sehen darin weniger einen Gag als einen Grenztest. Ein sehr teurer, sehr bewusster. Ob man ihn bestellt, ist Geschmackssache. Dass er diskutiert wird, ist Teil seines Erfolgs. Die eigentliche Leistung liegt darin, ein Alltagsgericht wieder zum Gesprächsthema zu machen – und das ist in einer saturierten Gastro-Landschaft alles andere als selbstverständlich.
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Tags: Luxusgastronomie, Wiener Küche, Schnitzel, Wagyu, Kaviar, Gastronomie-Trends, Österreich
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Hinweis: Der Anlass dieses Beitrags wurde durch aktuelle Berichterstattung regionaler Medien bekannt. Die folgende Einordnung erfolgt unabhängig und mit eigener redaktioneller Perspektive.













