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Die Schmiede ist wieder geöffnet


Kellnerin Lisa zapft ein Hausbier. Der Amboss am Tresen muss unbedingt bleiben.
Kellnerin Lisa zapft ein Hausbier. Der Amboss am Tresen muss unbedingt bleiben.

Dresden, 16.07.2023 (Leipziger Vorstadt)

Das Drama war groß, als Michl im Januar verkündete, dass die Schmiede schließt. Nun haben Nette und Jan das Kneipaurant übernommen und seit ein paar Tagen wieder geöffnet. Siehe Beitrag vom 10.01.2023


Im Januar klang alles ganz dramatisch. Michl wollte nicht mehr, hatte ne Nachfolgerin gefunden. Mit der wollte aber der Vermieter nicht, so hieß es seinerzeit. Aber dann kam es doch anders. “Ich bin die, die von Anfang an die Kneipe übernehmen wollte”, sagt Nette und setzt sich mit auf die Bank. Es hat ein bisschen gedauert, aber jetzt ist der Mietvertrag unterschrieben und die Kneipe wieder offen. Auf den Restaurant-Teil müssen die treuen Stammesser aber noch ein Weilchen warten.


Kneipe erstmal ohne Restaurant

Wir müssen die Küche dringend und grundlegend vorrichten, sagt Nette. Bis dahin gibt es eine Kooperation mit der Pizza-Stube. Und als wäre es abgesprochen, kommt von dort gerade ein Mitarbeiter und bringt ihr eine Pizza. “Die Lieferung ist aber kein Standard”, schmunzelt Nette. Zu ihren Füßen hat sich Betty breit gemacht. Der ist es an diesem Tag entschieden zu heiß, also lümmelt sie zwischen den Beinen der Gäste. Kellnerin Lisa bringt noch ein Bier.


Ist wieder geöffnet: “Zur Schmiede” im Hecht-Viertel.
Ist wieder geöffnet: “Zur Schmiede” im Hecht-Viertel.

“Wir wollen nicht viel verändern”, sagt Nette, die umfangreiche gastronomische Erfahrung in zwanzig Jahren in der Hundert gesammelt hat. Die Stammgäste sind ihr wichtig, deswegen hat sie eine Wunschliste aufgesetzt. Da können die Gäste eintragen, was ihnen wichtig ist in der “Schmiede”. Nach den wenigen Tagen hat es sich schon gut rumgesprochen, die Tische vor der Kneipe sind voll.


Betty und Lisa auf der Schwelle zur Schmiede
Betty und Lisa auf der Schwelle zur Schmiede


 

Dresden, 10.01.2023 (Leipziger Vorstadt)


Noch bis zum März bleibt geöffnet, dann gibt Michael „Michl“ die Kneipe nach zehn Jahren auf.
Noch bis zum März bleibt geöffnet, dann gibt Michael „Michl“ die Kneipe nach zehn Jahren auf.

Wie eine düstere Wolke waberte das Gerücht schon seit ein paar Monaten durch das Hecht-Viertel. Die beliebte Wohngebietsgaststätte „Zur Schmiede“ auf der Hechtstraße macht zu. Inhaber Michael Hecht, den alle nur Michl nennen bestätigt das. „Der Mietvertrag läuft Ende März aus“, sagt er.

(Ein Beitrag von Anton Launer)


Eine Nachfolgerin hatte er zwar schon gefunden, die wollte auch Einrichtung und Personal übernehmen, aber da spielt der Vermieter nicht mit. Der will die Räume sanieren und dann auf jeden Fall keine Kneipe mehr drin haben.

Damit geht eines der Urgesteine im Hecht-Viertel. Das Kneipaurant, wie Michl die Mischung aus Kneipe und Restaurant bezeichnete, gibt es schon seit mehr als 126 Jahren. In dem Haus befand sich im hinteren Teil früher ein Hufschmied, bei dem wahrscheinlich auch Erich Kästners Onkel seine Pferde beschlagen ließ. Im Vorderhaus gab es schon immer ein Restaurant, vermutlich ab 1900 unter dem Namen „Schmiede“.

Großer Gastraum, Durchgangsraum und im Hinterzimmer der Billard-Tisch. Die Schmiede war eine waschechte Wohngebietsgaststätte oder wie Michl sagt: ein Kneipaurant.
Großer Gastraum, Durchgangsraum und im Hinterzimmer der Billard-Tisch. Die Schmiede war eine waschechte Wohngebietsgaststätte oder wie Michl sagt: ein Kneipaurant.

Seit 2013 ist Michl der Kneipen-Chef

Michl übernahm die Gastwirtschaft vor zehn Jahren. „Ich hatte schon länger in der Gastro gearbeitet und mein Traum war immer die eigene Kneipe gewesen“, erzählt er. In seiner Heimat in der Oberpfalz gab es nichts geeignetes, also dehnte er den Suchradius größer. „In einem Immobilienportal fand ich dann die Schmiede“, sagt er und schildert, wie er sich vom Inhaber erst veralbert fühlte, weil die Kneipe in der Hechtstraße sein sollte. „Mein Nachname ist ja auch Hecht, aber dann hab ich gegoogelt und Hecht-Viertel und Hechtstraße gefunden.“ Als er hier ankam, hat er sich gleich in das Lokal verliebt.


Es folgten fünf harte Jahre, die Kundschaft musste aufgebaut, ein Kredit abgezahlt werden. „Das waren Sieben-Tage-Wochen mit täglich bis zu 16 Stunden Arbeit“, sagt Michl zurückblickend. Als er dann erstmals einen Urlaub plante, gab es einen Einbruch in der Kneipe. „Das gab mir den Rest, ich lag mit Burnout flach“, sagt Michl.


Mit Hilfe des Teams und dicker Unterstützung durch die Kundschaft und Nachbar*innen kam er aber wieder auf die Beine. „Die haben mich mit einer großen Party und einer Spendensammlung zurück ins Leben geholt“, sagt Michl. Das Geschäft entwickelte sich prima. Bis dann 2020 die Corona-Pandemie zum ersten Mal alles lahm legte. „Schlimmer war es aber 2021, da waren dann die Reserven aufgebraucht“, sagt er.

Der Tresen in der „Schmiede“ erinnert an die einstige Nutzung des Hinterhauses.
Der Tresen in der „Schmiede“ erinnert an die einstige Nutzung des Hinterhauses.

Schwierige Umstände

Die ganze Situation in der Gastronomie sei nicht einfach, mit der Erlenklause und dem Leonardo haben ja schon zwei etablierte Kneipen in der Nachbarschaft geschlossen. In Michl reifte der Entschluss, aufzuhören.

Wenn er von seiner Kneipe erzählt und der Entwicklung der vergangenen Jahre, klingt ein ganzes Stück Wehmut mit. Stolz führt er durch die Räume. Stammgäste sind hier mit Fotos verewigt. Im Billard-Raum prangt ein großes Torpedo-Hecht-Logo – „unsere Fußballmannschaft“, sagt Michl. Mit Liebe und Qualität hat er die Kneipe zu dem gemacht, was sie heute ist. Eins ist klar, es wird noch einmal eine große Abschiedsparty geben.


  • Geöffnet: täglich ab 18 Uhr

  • nur noch Getränke im Angebot

 

Zur Schmiede

Hechtstraße 15, 01097 Dresden

www.zur-schmiede-dresden.de


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