Berlin: OkSoberfest macht alkoholfreies Feiern zum Festival – ein Trend, der auch Dresden verändern dürfte
- Redaktion
- vor 3 Stunden
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Noch mehr Genussempfehlungen aus Dresden und der Region findet ihr in unserem Dresden-/Region-Genuss-Guide.

Alkoholfreies Bier, Gin ohne Alkohol, Functional Drinks, Pub-Quiz, Live-Musik und sogar Beer Pong 0,0: Am 10. und 11. Oktober 2026 feiert in der Berliner Kulturbrauerei das OkSoberfest Premiere. Die Veranstalter bezeichnen das Format als Deutschlands größtes alkoholfreies Festival. Für uns ist dabei weniger der Superlativ interessant als die Entwicklung dahinter: Alkoholfrei verlässt endgültig die Nische und wird vom Ersatzprodukt zum eigenen Genuss- und Lifestylemarkt.
Das OkSoberfest findet als eigenständiges Third-Party-Event im Umfeld der Berlin Food Week im Kesselhaus und Maschinenhaus der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg statt.
Das Konzept ist bemerkenswert: Ein Bierfestival, bei dem der Alkohol nicht die Hauptrolle spielt – und trotzdem ausdrücklich gefeiert werden soll.
Veranstalter Alexander van Hessen formuliert den Anspruch entsprechend: Das Festival solle kein „erhobener Zeigefinger“ gegen Alkohol sein. Stattdessen wolle man Menschen zusammenbringen, gemeinsam feiern, dabei aber auf Rausch und Kater verzichten.
Genau dieser Ansatz macht das Format aus unserer Sicht interessant.
Nicht Verzicht, sondern Genuss
Lange funktionierte alkoholfrei in der Gastronomie vor allem nach einem Prinzip: Wer keinen Alkohol trinken wollte, bekam eine Alternative.
Alkoholfreies Bier für Autofahrer. Wasser. Saft. Cola.
Diese Rollenverteilung verändert sich.
Inzwischen entstehen alkoholfreie Aperitifs, Spirituosenalternativen, aufwendige Cocktails, neue Bierstile und Functional Drinks, die nicht versuchen, sich möglichst unauffällig neben alkoholischen Getränken zu verstecken.
Das OkSoberfest dreht die bisherige Logik sogar komplett um: Nicht das alkoholfreie Getränk ist die Alternative auf einem Festival – das Festival selbst ist alkoholfrei.
Wir finden, dass genau darin die eigentliche Nachricht steckt.
Vom alkoholfreien Bier bis zum 0,0-Beer-Pong
Das Festival soll dabei bewusst nicht wie eine Gesundheitsmesse wirken.
DJ Tomekk, Marc Terenzi, Quizprofi Sebastian Klussmann, Autor Michael Nast und Stumpen von Knorkator gehören zum angekündigten Programm. Klussmann moderiert ein alkoholfreies Pub-Quiz, Nast beschäftigt sich mit „Sober Dating“.
Dazu kommen Mini-Tischtennis, Darts, E-Sports, Yoga, Fitness und Padel. Selbst Beer Pong 0,0 gehört zum Konzept.
Das mag zunächst wie eine spielerische Randnotiz wirken, zeigt aber, wohin die Reise geht: Rituale des Ausgehens und Feierns bleiben bestehen, lediglich der Alkohol wird herausgenommen.
DJ Tomekk, der nach eigenen Angaben seit 2013 clean und sober lebt, will am zweiten Festivaltag sogar seinen 51. Geburtstag dort feiern.
Marc Terenzi wiederum verweist auf seine früheren Auftritte im Käfer-Zelt auf dem Münchner Oktoberfest und darauf, inzwischen seit zwei Jahren ohne Alkohol zu leben.
Damit positioniert das Festival Abstinenz nicht als Verzicht, sondern als selbstverständliche Möglichkeit innerhalb einer Feierkultur.
Große Getränkemarken haben den Markt längst entdeckt
Noch interessanter wird der Blick auf die angekündigten Aussteller.
Mit Berliner Kindl, Lemke, Erdinger, Krombacher, Störtebeker und Warsteiner sind etablierte Biermarken beziehungsweise Brauereien vertreten. Hinzu kommen unter anderem fritz-kola, Schweppes, Kirin Ichiban, Pernod Ricard und die Valensina Gruppe sowie kleinere und spezialisierte Anbieter.
Dass sich etablierte Getränkekonzerne neben jungen Marken auf einem ausschließlich alkoholfreien Festival präsentieren, ist ein deutliches Signal.
Hier entsteht kein Gegenentwurf zur Getränkeindustrie. Die Getränkeindustrie selbst baut diesen Markt aus.
Das ist für die Gastronomie mindestens genauso relevant wie für den Einzelhandel.
Warum wir darüber in Dresden berichten
Berlin ist nicht Dresden – der Trend dahinter ist aber längst nicht auf Berlin beschränkt.
Wir beobachten auch in der Dresdner Gastronomie, dass alkoholfreie Angebote an Bedeutung gewinnen. Dabei reicht es zunehmend nicht mehr, ein alkoholfreies Pils und eine Apfelschorle auf die Karte zu setzen.
Gerade Restaurants, Bars und Hotels, die Genuss verkaufen wollen, müssen sich fragen, warum ein Gast für einen sorgfältig komponierten Cocktail gern einen zweistelligen Betrag bezahlt, die alkoholfreie Auswahl aber häufig bei Wasser, Limonade und Flaschenbier endet.
Für Dresden ist das relevant, weil alkoholfrei zunehmend eine eigene gastronomische Kategorie wird.
Und damit entstehen Chancen.
Ein alkoholfreier Gast ist kein Gast mit kleinerem Umsatz
Das ist vielleicht die wichtigste wirtschaftliche Erkenntnis.
Wer keinen Alkohol trinkt, möchte nicht zwangsläufig weniger Geld ausgeben.
Wer zum Essen keinen Wein bestellt, könnte stattdessen eine hochwertige alkoholfreie Speisenbegleitung wählen. Wer keinen Gin Tonic möchte, bestellt möglicherweise einen aufwendig zubereiteten alkoholfreien Drink.
Damit verschiebt sich auch die Frage der Preis-Leistung.
Ein Glas Saft für mehrere Euro wirkt schnell teuer. Ein durchdachter alkoholfreier Aperitif mit hochwertigen Zutaten, guter Präsentation und passender Geschichte kann dagegen als eigenständiges Genussprodukt wahrgenommen werden.
Aus unserer Sicht liegt genau dort noch erhebliches Potenzial für die Gastronomie.
Alkoholfrei sollte nicht billiger Alkoholersatz sein, sondern ein Angebot, das auch geschmacklich einen eigenen Grund zur Bestellung liefert.
Aber nicht jeder Trenddrink überzeugt automatisch
Bei aller Dynamik gehört auch das zur Einordnung.
Nicht jede alkoholfreie Spirituosenalternative schmeckt überzeugend. Nicht jedes Getränk rechtfertigt seinen Preis. Und ein schöner Name sowie eine aufwendige Flasche machen noch kein gastronomisch interessantes Produkt.
Gerade deshalb finden wir Formate wie das OkSoberfest spannend: Viele unterschiedliche Konzepte treffen unmittelbar aufeinander und müssen zeigen, ob sie auch geschmacklich bestehen.
Am Ende entscheidet nicht der Lifestylebegriff, sondern das Glas.
Was bedeutet das für Dresdens Restaurants und Bars?
Wir würden den Berliner Festivalstart vor allem als Hinweis verstehen, die eigene Getränkekarte einmal anders zu betrachten.
Nicht:
„Was bieten wir Gästen an, die keinen Alkohol trinken?“
Sondern:
„Welche Getränke würden wir anbieten, wenn Alkohol gar nicht der Ausgangspunkt unserer Karte wäre?“
Das ist ein erheblicher Unterschied.
Dann könnten beispielsweise eigenständige Aperitifs, Kräuter- und Teeinfusionen, fermentierte Getränke, hochwertige alkoholfreie Biere oder gastronomisch entwickelte Cocktails genauso selbstverständlich neben Wein und Bier stehen.
Gerade für Restaurants mit ambitionierter Küche wird auch eine alkoholfreie Menübegleitung zunehmend interessant.
Auch Veranstaltungen könnten sich verändern
Noch weiter geht die Frage für die Dresdner Veranstaltungslandschaft.
Stadtfest, Weihnachtsmärkte, Weinfeste, Konzerte oder Open-Air-Veranstaltungen sind traditionell stark mit Bier, Wein und Cocktails verbunden.
Das muss nicht verschwinden.
Das OkSoberfest zeigt vielmehr, dass parallel ein Markt für Menschen entsteht, die dieselbe Atmosphäre suchen – Musik, Freunde, Essen, Tanzen und gemeinsames Erleben –, aber keinen Alkohol trinken möchten.
Wir sehen darin keine Konkurrenz zur klassischen Feierkultur, sondern eine Erweiterung.
Vielleicht erleben wir deshalb künftig auch in Dresden häufiger Veranstaltungen oder einzelne Festivalbereiche, bei denen 0,0 nicht die Ausnahme, sondern das Konzept ist.
Genuss verändert sich
Für die Gastronomie ist das Thema noch aus einem anderen Grund interessant: Die Branche sucht seit Jahren nach neuen Zielgruppen, zusätzlichen Umsätzen und Angeboten, mit denen sie sich differenzieren kann.
Gleichzeitig verändert sich das Verhältnis vieler Gäste zu Alkohol.
Das bedeutet nicht, dass Bier, Wein oder ein guter Cocktail aus Restaurants verschwinden werden.
Aber die Selbstverständlichkeit, mit der Alkohol bislang Mittelpunkt vieler gesellschaftlicher Anlässe war, bekommt Konkurrenz.
Und das kann wirtschaftlich durchaus interessant sein.
Denn ein Gast, der vier hochwertige alkoholfreie Drinks bestellt, ist für einen Betrieb nicht weniger relevant als jemand, der eine Flasche Wein bestellt.
Unsere Einordnung
Wir finden, das OkSoberfest ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil hier nicht versucht wird, alkoholfreie Produkte irgendwo zwischen klassischen Getränken unterzubringen. Stattdessen bekommt die Kategorie eine eigene Bühne.
Aus unserer Sicht ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass 0,0 vom Ersatzangebot zum eigenständigen Genusssegment wird.
Für Dresden ist das relevant, weil Restaurants, Bars, Hotels und Veranstalter diesen Wandel entweder aktiv nutzen können – oder irgendwann feststellen werden, dass ein alkoholfreies Bier allein nicht mehr ausreicht.
Ob das OkSoberfest selbst zum dauerhaften Festival wird, muss seine Premiere am 10. und 11. Oktober 2026 erst zeigen.
Der Trend, auf dem es aufbaut, dürfte dagegen bleiben.
Vielleicht wäre es deshalb gar nicht so abwegig, irgendwann auch in Dresden ein vergleichbares Format zu erleben: feiern, probieren, essen, Musik hören – und am nächsten Morgen trotzdem einen klaren Kopf haben.
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Diskussionsfrage:
Wäre ein komplett alkoholfreies Genuss- und Musikfestival auch in Dresden interessant – oder gehört für euch zu einem solchen Abend ein Glas Wein, Bier oder Cocktail einfach dazu?
Autor:
Dirk Andersch
Redaktion Lust auf Dresden
Redaktionshinweis:
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI bei Recherche, Strukturierung und Textvorbereitung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft und bearbeitet.








