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Dresden: Spendenaufruf für „House of Orange“ scheitert – kann Crowdfunding ein insolventes Café retten?

Weitere Einordnungen und Entwicklungen der Branche findet ihr in der Dresden-Radar-Übersicht.

House of Orange

Das Dresdner vegane und glutenfreie Café „House of Orange“ im Wallgäßchen sorgt derzeit für Diskussionen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Die insolvente Inhaberin Kathleen Mittler (41) hatte die Öffentlichkeit um Unterstützung gebeten. Ihr Ziel: Innerhalb von 48 Stunden sollten 500.000 Menschen jeweils einen Euro spenden, um Schulden von rund 300.000 Euro zu begleichen und gleichzeitig mit weiteren 200.000 Euro Startkapital einen Neustart an einem neuen Standort zu ermöglichen.


Die Rechnung ging nicht auf. Nach mehr als zwei Tagen kamen über die Plattform GoFundMe lediglich knapp 4.000 Euro zusammen.


Die Reaktionen reichen von Solidarität bis scharfer Kritik

Der Spendenaufruf löste in den sozialen Netzwerken ein geteiltes Echo aus. Einige Nutzer zeigten Verständnis und wollten das Projekt unterstützen. Andere kritisierten das Vorgehen deutlich und stellten die grundsätzliche Frage, ob die Gemeinschaft für wirtschaftliche Fehlentwicklungen eines Unternehmens aufkommen sollte.


Auch die Inhaberin selbst versuchte auf Instagram transparent darzulegen, wie sich die hohen Verbindlichkeiten aus Aus- und Umbau, Mietrückständen und offenen Sozialversicherungsbeiträgen zusammensetzen.

Dennoch blieben für viele Beobachter Fragen offen.


Kann Crowdfunding ein Unternehmen in Schieflage retten?

Wir sehen solche Aktionen durchaus differenziert.

Grundsätzlich kann eine Community helfen, wenn kurzfristige Liquiditätsprobleme entstehen, ein Betrieb durch unvorhersehbare Ereignisse in Schwierigkeiten gerät oder eine große emotionale Bindung zwischen Gästen und Unternehmen besteht.


Anders sieht es aus, wenn über einen längeren Zeitraum erhebliche Verbindlichkeiten entstanden sind und bereits hohe Rückstände bei Mieten oder Sozialabgaben bestehen.

Dann stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die wirtschaftlichen Probleme nicht deutlich tiefer liegen.


Die Realität der Branche ist oft härter

Wir erleben inzwischen fast wöchentlich Geschäftsaufgaben in Dresden und der Region. Darunter sind auch Unternehmen, die viele Jahre erfolgreich am Markt waren und dennoch den wirtschaftlichen Druck nicht mehr tragen konnten.

Steigende Kosten, zurückhaltende Konsumenten, hohe Investitionen und teilweise sinkende Umsätze setzen der Gastronomie massiv zu.

Nicht jedes Konzept, das gastronomisch funktioniert, funktioniert am Ende auch betriebswirtschaftlich.

Aus unserer Sicht ist deshalb die entscheidende Frage nicht, ob man um Hilfe bitten darf. Natürlich darf man das.

Die größere Frage lautet:

Ist ein Unternehmen mit hohen Verbindlichkeiten und strukturellen Problemen durch eine kurzfristige Spendensammlung überhaupt nachhaltig zu retten?


Auch Gläubiger tragen den Schaden

Bei solchen Diskussionen gerät oft ein Punkt in den Hintergrund: Eine Insolvenz betrifft nicht nur den Unternehmer selbst.

Vermieter, Lieferanten, Handwerksbetriebe, Dienstleister und Sozialversicherungsträger müssen häufig ganz oder teilweise auf Forderungen verzichten. Hinter diesen offenen Rechnungen stehen wiederum andere Unternehmen und Arbeitsplätze.


Wir finden deshalb, dass es manchmal ehrlicher und langfristig sogar gesünder sein kann, einen Schlussstrich zu ziehen, aus den gemachten Erfahrungen die richtigen Rückschlüsse zu ziehen und über einen Neustart unter anderen Voraussetzungen nachzudenken.


Scheitern gehört leider auch zur unternehmerischen Realität.


Was bedeutet das für Dresden?

Für Dresden zeigt der Fall einmal mehr, wie angespannt die Lage in der Gastronomie inzwischen ist. Selbst Nischenkonzepte mit klarer Zielgruppe und hoher Identifikation kämpfen mit wirtschaftlichen Herausforderungen.


Für die Region ist das relevant, weil solche Fälle die grundsätzliche Diskussion über Finanzierung, Unternehmerrisiken und die Zukunft der Gastronomie weiter anheizen werden.


Fazit

Der gescheiterte Spendenaufruf des „House of Orange“ ist weniger eine Geschichte über fehlende Solidarität als vielmehr ein Spiegelbild der schwierigen Situation vieler gastronomischer Betriebe.

Crowdfunding kann in einzelnen Fällen helfen. Es ersetzt jedoch kein tragfähiges Geschäftsmodell und löst in der Regel keine tiefgreifenden strukturellen Probleme.

Die wichtigste Erkenntnis bleibt deshalb: Unternehmerische Krisen brauchen meist mehr als eine emotionale Rettungsaktion – sie brauchen belastbare Perspektiven für die Zukunft.


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Diskussionsfrage:

Sollte die Community einem insolventen Gastronomiebetrieb finanziell helfen – oder gehört wirtschaftliches Scheitern zum unternehmerischen Risiko?


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Autor:

Redaktion Lust auf Dresden

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