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Alte Wassermühle Obergurig startet neu: „Gaumenkitzel“ bringt Slow Food zurück in die Oberlausitz

Noch mehr Genussempfehlungen aus Dresden und der Region findet ihr in unserem Dresden-/Region-Genuss-Guide.

Alte Wassermühle bei Sonnenlicht

Die Alte Wassermühle in Obergurig lebt wieder. Nach rund einem halben Jahr Leerstand zog am Pfingstmontag neues Leben in das historische Gebäude südlich von Bautzen ein. Unter dem Namen „Gaumenkitzel“ starteten Manuela und Tilo Hamann mit einem ersten kulinarischen Pre-Opening zum Deutschen Mühlentag – regional, bewusst und sichtbar getragen vom Gedanken der Slow-Food-Bewegung.


Wir waren gestern selbst vor Ort und ehrlich begeistert von Stimmung, Lage und Resonanz.


Schon am frühen Nachmittag war rund um die Mühle ordentlich Betrieb. Radfahrer, Wanderer, Familien und Einheimische nutzten das sonnige Pfingstwetter, saßen im Außenbereich oder schauten neugierig vorbei, um zu sehen, was aus der lange geschlossenen Mühle geworden ist.


Und genau dort beginnt die eigentliche Geschichte dieses Neustarts.


Denn „Gaumenkitzel“ soll eben nicht einfach nur ein weiteres Restaurant werden. Das Konzept von Tilo und Manuela Hamann setzt bewusst auf regionale Oberlausitzer Küche, präzises Handwerk und eine Philosophie, die aktuell wieder deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommt:

Slow Food.

„Gut, sauber, fair“ – dieser Grundsatz zieht sich sichtbar durch das gesamte Konzept.

Tilo Hamann ist Mitglied bei Euro-Toques, der Chaîne des Rôtisseurs und der Slow Food Chef Alliance Deutschland. Verarbeitet werden überwiegend regionale Produkte, natürliche Aromen und auch fermentierte Lebensmittel, die den Gerichten Tiefe und Charakter geben sollen.


Die beiden Betreiber beschreiben ihr Konzept selbst so:„Gaumenkitzel ist unser kleines Versprechen an die Region: dass gutes Essen dort beginnt, wo Menschen mit Hingabe arbeiten.


Und genau dieses Gefühl spürt man vor Ort tatsächlich.


Die historische Wassermühle passt atmosphärisch nahezu perfekt zu diesem Ansatz. Alte Mauern, Wasserlauf, viel Grün und die ruhige Lage schaffen genau jene entschleunigte Atmosphäre, die viele Gäste heute wieder suchen – als Gegenpol zu Schnellgastronomie, Systemküche und hektischem Alltag.


Wir finden: Genau solche Orte braucht die Region Bautzen momentan mehr denn je.


Denn viele ländliche Gastronomien verschwinden gerade oder kämpfen wirtschaftlich ums Überleben. Gleichzeitig sehnen sich viele Menschen wieder nach authentischen Orten mit echter Handschrift statt austauschbarer Konzepte.


Dass die Wassermühle nun mit einem Slow-Food-Ansatz wiederbelebt wird, passt deshalb erstaunlich gut in die aktuelle Zeit.


Besonders bemerkenswert:

Der Neustart fällt ausgerechnet in jene Tage, in denen die internationale Slow-Food-Bewegung um ihren Gründer Carlo Petrini trauert.


Der Italiener war im Alter von 76 Jahren verstorben. Mit ihm verliert die Bewegung ihren wichtigsten Vordenker. Aus einem Protest gegen eine McDonald’s-Filiale in Rom entstand in den 1980er Jahren eine weltweite Bewegung für bewusste Ernährung, regionale Produkte und nachhaltigen Genuss.

Und genau dieser Gedanke lebt nun auch in Obergurig weiter.


Die Slow Food Chef Alliance Deutschland, zu der auch Tilo Hamann gehört, setzt sich gezielt für:

  • regionale und saisonale Produkte,

  • kleine Erzeuger,

  • handwerkliche Verarbeitung,

  • respektvollen Umgang mit Lebensmitteln

  • und möglichst nachhaltiges Arbeiten ein.


Gerade in Zeiten, in denen Fastfood und Systemgastronomie immer stärker wachsen, wirkt dieses Konzept fast wie ein bewusst gesetzter Gegenentwurf.


Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigte bereits der erste Tag.


Viele Besucher freuten sich sichtbar darüber, dass die Wassermühle nach langer Schließung wieder gastronomisch genutzt wird. Unter den Gästen waren gestern auch Familie Schumann vom ausgezeichneten Wellnesshotel in Kirschau, die sich persönlich ein Bild vom Neustart machen wollten.


Wir begleiten Manuela und Tilo Hamann bereits seit längerer Zeit. Erst vor kurzem hatten wir über den geplanten Umzug von „Gaumenkitzel“ aus Radebeul nach Obergurig berichtet. Umso spannender war es nun zu sehen, wie positiv der Neustart in der Oberlausitz aufgenommen wird.


Aus unserer Sicht hat die Region dort gerade einen echten Genussort zurückgewonnen.

Nicht laut. Nicht künstlich inszeniert. Sondern ehrlich, regional und mit einer klaren Haltung.

Und genau deshalb lohnt sich auch der Weg von Dresden nach Obergurig aktuell definitiv.


Adresse & Website

Alte Wassermühle Obergurig / Gaumenkitzel

Schulstraße 10a, 02692 Obergurig bei Bautzen


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Diskussionsfrage:

Braucht die Region mehr solcher bewussten Slow-Food-Konzepte als Gegenpol zur immer schnelleren Systemgastronomie?


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