Dresden: Bundesregierung plant 20 Prozent höhere Steuer auf Spirituosen
- Redaktion

- vor 25 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
Weitere Einordnungen und Entwicklungen der Branche findet ihr in der Region-Radar-Übersicht.

Rum, Wodka, Korn und weitere Spirituosen sollen in Deutschland deutlich teurer werden. Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der zum 1. Januar 2027 eine Erhöhung der Alkoholsteuer auf Spirituosen um 20 Prozent vorsieht. Auch Champagner, Sekt, Likörweine und Alkopops sollen stärker besteuert werden. Die Bundesregierung rechnet mit zusätzlichen Einnahmen von 455 Millionen Euro pro Jahr.
Für die Gastronomie, Hotellerie und den Getränkehandel in Dresden und der Region könnte die Maßnahme jedoch weitreichende Folgen haben.
Was genau geplant ist
Nach dem Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums sollen ab Anfang 2027 die Steuersätze auf:
Spirituosen wie Rum, Wodka und Korn,
Sekt und Champagner,
Likörweine,
Alkopops
um jeweils 20 Prozent steigen.
Nicht betroffen sind dagegen:
Bier,
Wein.
Allerdings fordert die Ärztekammer höhere Steuern auch auf Bier und Wein.
Die zusätzlichen Einnahmen sollen in den Bundeshaushalt fließen und helfen, bestehende Haushaltslücken zu schließen.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) begründet die Pläne zugleich gesundheitspolitisch:
„Was krank macht, wird teurer.“
Neben der höheren Alkoholsteuer stellte die Bundesregierung auch eine künftige Zuckersteuer auf Softdrinks in Aussicht. Konkrete Details dazu liegen bislang allerdings noch nicht vor.
Gesundheitsminister sehen Einsparpotenzial
Eine vom Bundesgesundheitsministerium eingesetzte Kommission hatte die Steuererhöhung empfohlen. Nach deren Berechnungen könnten durch einen sinkenden Alkoholkonsum jährlich rund 1.000 Krebsfälle vermieden werden.
Vor allem jüngere, preissensible Konsumenten würden demnach weniger hochprozentige Getränke konsumieren. Gleichzeitig erhofft sich die Politik sinkende Folgekosten durch alkoholbedingte Erkrankungen und Unfälle.
Spirituosenbranche spricht von Rechenfehler
Die deutsche Spirituosenindustrie hält die Prognosen der Bundesregierung dagegen für zu optimistisch.
Angelika Wiesgen-Pick, Geschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Spirituosen-Industrie und Importeure (BSI), kritisiert:
„Die Millionen-Versprechen der Regierung durch eine Erhöhung der Spirituosensteuer werden sich nicht einlösen lassen.“
Der Verband verweist auf mehrere Faktoren:
sinkende Verkaufszahlen,
Ausweichbewegungen auf andere Getränke,
geringere Umsatz- und Gewerbesteuereinnahmen,
mögliche Auswirkungen auf Beschäftigung und Investitionen.
Nach Angaben des BSI verzeichnet die Branche bereits seit Jahren Absatzrückgänge von etwa einem Prozent jährlich.
Was bedeutet das für Dresden?
Nach Informationen von Lust auf Dresden beobachten viele Gastronomen die Entwicklung mit großer Sorge.
Spirituosen spielen insbesondere eine wichtige Rolle:
in Bars und Cocktail-Locations,
in Hotels,
bei Veranstaltungen,
in der gehobenen Gastronomie,
im Event- und Cateringbereich.
Unsere Recherchen zeigen, dass viele Betriebe bereits mit erheblich gestiegenen Einkaufspreisen kämpfen. Hinzu kommen hohe Energie- und Personalkosten sowie die weiterhin schwache Konsumstimmung. Außerdem sinkt der Alkoholkonsum im Allgemeinen. Gerade die junge Generation setzt mehr auf alkoholfreie Getränke und die Nachfrage nach alkoholfreien Weinen und Bieren steigt weiter an.
Eine weitere Steuererhöhung könnte dazu führen, dass:
Cocktails teurer werden,
Getränkekarten angepasst werden müssen,
Gäste seltener hochpreisige Spirituosen bestellen,
Margen weiter unter Druck geraten.
Besonders betroffen: Dresdens Barszene
Für Dresden bedeutet das vor allem eine zusätzliche Belastung für die ohnehin angespannte Barszene.
Gerade Cocktailbars und Hotels setzen auf hochwertige Spirituosen und internationale Getränkekonzepte. Preissteigerungen treffen diese Betriebe besonders hart.
Die Redaktion von Lust auf Dresden begleitet die Entwicklung der Dresdner Gastronomie und Hotellerie seit mehreren Jahren und steht regelmäßig im Austausch mit Betrieben, Verbänden und Branchenvertretern.
Wie uns mehrere Gastronomen bestätigten, wächst die Sorge, dass der Staat immer stärker auf zusätzliche Belastungen setzt, während die Branche weiterhin mit Umsatzrückgängen und steigenden Kosten kämpft.
Zwischen Gesundheitsschutz und zusätzlicher Belastung
Wir sehen die Diskussion differenziert.
Der gesundheitspolitische Ansatz, problematischen Alkoholkonsum zu reduzieren, ist nachvollziehbar. Gleichzeitig bleibt die Frage, ob höhere Steuern tatsächlich die erhofften Mehreinnahmen bringen und ob sie die richtigen Zielgruppen erreichen.
Aus unserer Sicht besteht die Gefahr, dass erneut vor allem Gastronomie, Handel und Verbraucher die finanziellen Folgen tragen.
Für Dresden und die Region ist das relevant, weil die Getränkewirtschaft ein wichtiger Bestandteil der Gastronomie- und Veranstaltungsbranche ist. Zusätzliche Belastungen treffen nicht nur Hersteller und Händler, sondern letztlich auch Restaurants, Hotels und Gäste.
Fazit
Die wichtigste Erkenntnis: Die Bundesregierung setzt zur Haushaltskonsolidierung und zur Gesundheitsprävention auf höhere Alkoholsteuern. Die Branche zweifelt jedoch daran, dass die Rechnung am Ende aufgeht.
Sollte die Steuererhöhung beschlossen werden, müssen sich Gastronomie und Hotellerie ab 2027 auf weitere Preissteigerungen einstellen.
Wir bleiben an diesem Thema dran, weil die geplanten Änderungen erhebliche Auswirkungen auf die Kostenstrukturen der Branche und das Konsumverhalten der Gäste haben könnten.
GastroRadar Dresden
Erhalten Sie jede Woche die wichtigsten Branchenentwicklungen für Gastronomie, Hotellerie und Tourismus.
👉 Jetzt kostenfrei abonnieren
👉 Eigener Artikel mit Top-Platzierung anfragen
Mehr Einordnung statt Schlagzeilen?
Wir analysieren Entwicklungen der Gastronomie regelmäßig.
👉 Weitere Themen im Gastro-Radar
👉 News-Ticker für aktuelle Entwicklungen
Diskussionsfrage:Sind höhere Steuern auf Spirituosen ein wirksames Mittel für mehr Gesundheitsschutz – oder werden damit vor allem Gastronomie, Handel und Verbraucher zusätzlich belastet?
Tags:
Autor:
Redaktion Lust auf Dresden
Redaktionshinweis:
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI bei Recherche, Strukturierung und Textvorbereitung erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft und bearbeitet.











