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Einzelfall oder Trend? Warum Insolvenzen und Betriebsschließungen die Hotellerie und Gastronomie weiter unter Druck setzen

1974 war das Congress Hotel in Chemnitz als Interhotel eröffnet worden. © Congress Hotel Chemnitz
1974 war das Congress Hotel in Chemnitz als Interhotel eröffnet worden. © Congress Hotel Chemnitz

Die Meldungen häufen sich – nicht nur wie jetzt in Chemnitz, sondern im gesamteuropäischen Raum. Insolvenzen, Sanierungen und komplette Geschäftsaufgaben betreffen zunehmend auch die Hotellerie. Was lange als robuster Wirtschaftszweig galt, gerät immer stärker unter Druck. Drei aktuelle Beispiele zeigen, dass es sich kaum noch um isolierte Einzelfälle handelt.


Die Liste wird länger – und sie wird prominenter. Neben großen Hotelgruppen, Dienstleistern und Stadthotels trifft es nun auch eine der traditionsreichsten Gaststätten Nordrhein-Westfalens.


Bonn: Der Schaumburger Hof stellt Betrieb ein

Nach über 270 Jahren Geschichte hat der Schaumburger Hof in Bonn-Plittersdorf seinen Betrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt. Anfang Januar 2026 wurde beim Amtsgericht Bonn ein Insolvenzverfahren eingereicht. Seit dem Wochenende 17./18. Januar bleiben die Türen des historischen Ensembles direkt am Rhein geschlossen.

Damit verliert Bad Godesberg nicht nur eine Gastronomieadresse, sondern ein Stück Stadt- und Zeitgeschichte.

Warum selbst Tradition nicht mehr schützt

Die Ursachen für die Zahlungsunfähigkeit sind vielschichtig – und symptomatisch für die gesamte Branche:

  • anhaltende Nachwirkungen der Corona-Jahre

  • deutlich gestiegene Energiepreise

  • Erhöhung der Mindestlöhne

  • zunehmende Probleme bei der Personalgewinnung


Zwar verfügte der Betrieb über qualifizierte Fachkräfte, jedoch nicht in ausreichender Anzahl, um das große Haus dauerhaft wirtschaftlich zu betreiben. Um Mitarbeitende zu halten, wurden zeitweise Gehälter gezahlt, die die finanziellen Möglichkeiten überstiegen. Hinzu kam eine witterungsbedingt schwache Sommersaison: Der umsatzstarke Biergarten musste häufiger geschlossen bleiben als geplant.


Unklare Zukunft für einen historischen Ort

Wie es mit dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert weitergeht, ist offen. Erschwert wird die Lage dadurch, dass die Immobilie nicht dem bisherigen Betreiber gehört. Der Insolvenzverwalter muss nun Gespräche mit der Eigentümerseite führen, mögliche Konzepte oder Nachnutzungen sind bislang nicht bekannt.

Für die Beschäftigten gibt es zumindest kurzfristig Sicherheit: Die Löhne sind bis zur offiziellen Eröffnung des Insolvenzverfahrens – in der Regel rund drei Monate – durch Insolvenzgeld abgesichert.


Große Gruppen, große Probleme

Ein besonders deutliches Signal kommt von der Revo Hospitality Group. Einer der größten Multibrand-Hotelbetreiber Europas hat für rund 140 Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Betroffen sind etwa 125 Hotels in Deutschland und Österreich, hinzu kommen Verwaltungs- und Holdinggesellschaften.


Der operative Betrieb läuft weiter, rund 5.500 Mitarbeitende bleiben vorerst beschäftigt. Dennoch zeigt der Fall, wie schnell ambitionierte Wachstumsstrategien in Schieflage geraten können. Steigende Kosten, hohe Zinslasten und eine zu schnelle Expansion gelten als zentrale Ursachen. Revo betreibt insgesamt 250 Hotels in zwölf europäischen Ländern – vom Stadthotel bis zum Apartmentkonzept im niedrigen bis gehobenen Preissegment.


Wenn volle Auftragsbücher nicht mehr reichen

Dass die Krise nicht nur Hotelbetreiber trifft, zeigt die Insolvenz von BMC Hotelservice aus Freising. Der auf Reinigungs- und Servicedienstleistungen spezialisierte Anbieter musste trotz stabiler Nachfrage Insolvenz anmelden.


Das Problem: Steigende Lohnkosten, kombiniert mit verzögerten Preisweitergaben, bringen selbst wirtschaftlich ausgelastete Dienstleister an ihre Grenzen. Rund 50 Beschäftigte arbeiten weiter, der Betrieb läuft unter Aufsicht des Insolvenzverwalters. BMC ist Partner mehrerer namhafter Hotelketten im süddeutschen Raum – ein Beispiel dafür, wie eng verflochten die Branche ist und wie schnell Dominoeffekte entstehen können.


Chemnitz: Schließung trotz guter Auslastung

Besonders bitter ist die Entwicklung in unserer Nachbarstadt. Das Congress Hotel Chemnitz schließt zum 31. Januar 2026 – und das nach einem stark frequentierten Kulturhauptstadtjahr 2025.


Über 200 Zimmer, knapp 40 Beschäftigte, darunter sieben Auszubildende – für viele kommt das Aus überraschend. Das Hotel war gut gebucht, das Team arbeitete monatelang am Limit. Dennoch entschied sich die Betreibergruppe, den Standort aufzugeben. Offizielle Gründe wurden nicht genannt, Spekulationen zurückgewiesen.


Kritik kommt von der Gewerkschaft: fehlende Entwicklungsperspektiven, häufige Betreiberwechsel und ein massiver Investitionsstau hätten das Haus über Jahre geschwächt. Das fast 100 Meter hohe Gebäude, 1974 als DDR-Interhotel eröffnet, prägt bis heute das Stadtbild – direkt neben Stadthalle, Kongresszentrum und Karl-Marx-Monument.


Unsere Einschätzung

Was sich derzeit zeigt, ist kein kurzfristiges Strohfeuer, sondern eine strukturelle Herausforderung für die Hotellerie:

  • stark gestiegene Personal- und Energiekosten

  • hohe Zinsen und Investitionsstaus

  • Fachkräftemangel bei gleichzeitig hoher Belastung

  • Wachstum um jeden Preis ohne nachhaltige Konzepte


Gerade Stadthotels und Dienstleister geraten zunehmend zwischen Wirtschaftlichkeit und Qualitätsanspruch. Die Frage ist längst nicht mehr ob, sondern wie viele Betriebe diesen Druck noch abfedern können.


👉 Wie erlebt ihr die aktuelle Situation in Hotellerie und Tourismus? Spürt ihr die Veränderungen bereits als Gäste oder Partner?


Tags & Keywords

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Hinweis: Der Anlass dieses Beitrags wurde durch aktuelle Berichterstattung themenspezifischer Medien bekannt. Die Einordnung erfolgt unabhängig und mit eigener redaktioneller Perspektive.

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