Zwei essen, nur eins bezahlen – cleverer Deal oder schleichender Imageschaden?
- Redaktion Lust auf Dresden

- vor 15 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Die Preise im Restaurant steigen, das Verständnis der Gäste sinkt – und gleichzeitig boomen Angebote nach dem Prinzip „Zwei essen, nur eins bezahlen“. Für viele Gäste klingt das nach einem fairen Ausgleich in teuren Zeiten. Für viele Gastronomen hingegen fühlt es sich nach einem faulen Kompromiss an.
Denn was auf den ersten Blick nach Kundenfreundlichkeit aussieht, wirft bei genauerem Hinsehen eine unbequeme Frage auf:
Wenn solche Nachlässe möglich sind – waren die Preise vorher vielleicht zu hoch?
Warum solche Angebote so gut funktionieren
Das Modell ist einfach, emotional und sofort verständlich. Kein komplizierter Gutschein, kein Kleingedrucktes – der Gast fühlt sich als Gewinner. Eine bekannte Plattform hat mit genau diesem Prinzip vor Jahren einen Durchbruch erzielt, und bis heute finden sich ähnliche Vorteilssysteme in der Gastronomie und bei Dienstleistern.
Gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten wirken solche Deals wie ein kleiner Rettungsanker. Essen gehen ohne schlechtes Gewissen – zumindest für einen Abend.
Der bittere Beigeschmack
So verlockend das Angebot für Gäste ist, so problematisch ist es für das Preisgefühl. Denn im Kopf vieler entsteht automatisch dieser Gedanke:
„Wenn das zweite Gericht gratis ist, wie realistisch war dann der ursprüngliche Preis?“
Damit sägen solche Aktionen ungewollt an der eigenen Glaubwürdigkeit. Nicht am Geschmack, nicht am Service – sondern an der Wertigkeit. Der reguläre Preis wird zur Verhandlungsmasse, Qualität zur Nebensache.
Rabatt oder Selbstentwertung?
Natürlich braucht Gastronomie Impulse. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Mehrwert schaffen und Wert zerstören.
Was Gäste meist positiv wahrnehmen:
klar kalkulierte Menüs
zeitlich begrenzte Specials
Extras statt Preisnachlass (Gruß aus der Küche, Dessert, Upgrade)
Was zunehmend kritisch gesehen wird:
pauschale 50-Prozent-Modelle
dauerhaft verfügbare „Gratis“-Mechaniken
Aktionen ohne Anlass oder Erklärung
Denn hier entsteht nicht das Gefühl von Wertschätzung, sondern von Beliebigkeit.
„Prostituieren“ sich Gastgeber für Aufmerksamkeit?
Das Wort ist hart – aber es fällt in Gesprächen mit Gastronomen immer häufiger. Viele fühlen sich unter Druck gesetzt: volle Tische um jeden Preis, Reichweite gegen Marge, Sichtbarkeit gegen Selbstachtung. Kurzfristig funktioniert das. Langfristig leidet oft genau das, was eigentlich verkauft werden soll: Haltung, Qualität und Persönlichkeit.
Unser Fazit
„Zwei essen, nur eins bezahlen“ ist kein Teufelszeug – aber auch keine nachhaltige Lösung. Es füllt vielleicht Plätze, schafft aber selten Bindung. Und es verschiebt die Erwartungshaltung der Gäste in eine Richtung, aus der man nur schwer wieder herauskommt.
Die eigentliche Herausforderung lautet nicht:
Wie stark kann ich rabattieren?
Sondern:
Wie gut erkläre ich meinen Preis – und stehe selbstbewusst dazu?
🗳️ Eure Meinung ist gefragt – kleine Umfrage
Wie steht ihr zu „Zwei essen, nur eins bezahlen“-Angeboten?
1️⃣ Super Sache – sonst könnten wir uns Restaurantbesuche kaum noch leisten
2️⃣ Ab und zu okay, aber bitte nicht dauerhaft
3️⃣ Skeptisch – das wirft Fragen zur Preisgestaltung auf
4️⃣ Lehne ich ab – ich zahle lieber faire, transparente Preise
5️⃣ Ist mir egal – Hauptsache, es schmeckt
👉 Stimmt ab und diskutiert mit: Sind solche Deals ein notwendiges Mittel in teuren Zeiten – oder schaden sie der Gastronomie mehr, als sie nutzen?












