Mehr Freiheit oder mehr Druck? - Was die neue Tourismusstrategie und die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes wirklich bedeuten
- Redaktion Lust auf Dresden
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Die Bundesregierung stellt ihre tourismuspolitische Arbeit neu auf – und setzt damit ein deutliches Signal: Wettbewerbsfähigkeit vor Dialogformaten. Mit der neuen Nationalen Tourismusstrategie rückt der wirtschaftliche Rahmen der Branche in den Fokus. Für viele Betriebe im Gastgewerbe und Tourismus ist dabei ein Punkt besonders relevant: die geplante Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes.
Doch ist das ein Befreiungsschlag für eine überlastete Branche – oder birgt die Reform neue Risiken für Beschäftigte?
Abschied von alten Strukturen – Fokus auf Wirtschaftlichkeit
Mit der neuen Strategie beendet die Bundesregierung den bisherigen Dialogprozess, die Nationale Plattform Zukunft des Tourismus, zum Jahresende. Statt runder Tische soll es nun konkrete wirtschaftspolitische Stellschrauben geben: weniger Bürokratie, geringere Kosten, bessere Investitionsbedingungen.
Das ist eine klare Kurskorrektur – und sie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Betriebe noch immer mit Fachkräftemangel, Kostensteigerungen und unsicheren Nachfragephasen kämpfen.
Der Kernpunkt: Weg von der täglichen Höchstarbeitszeit
Besonders brisant ist der Plan, die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit zu ersetzen. Angekündigt wurde dies durch den Tourismuskoordinator der Bundesregierung, Christoph Ploß.
Die Idee dahinter:
Arbeitszeit soll flexibler über die Woche verteilt werden können
Beschäftigte könnten an stark frequentierten Tagen länger arbeiten
dafür an ruhigeren Tagen früher frei haben
Für das Gastgewerbe, das stark von Wochenenden, Events und Saisonspitzen lebt, wäre das ein Paradigmenwechsel.
Warum die Branche seit Jahren darauf drängt
Der Deutscher Hotel- und Gaststättenverband fordert diese Reform schon lange. Präsident Guido Zöllick macht deutlich: Es gehe nicht um mehr Arbeit, sondern um realistischere Einsatzplanung.
Gerade in der Praxis – etwa bei Hochzeiten, Veranstaltungen oder touristischen Spitzenzeiten – stoßen Betriebe regelmäßig an die Grenzen des aktuellen Arbeitszeitrechts. Die Folge sind komplizierte Dokumentationen, rechtliche Grauzonen oder schlicht Personalengpässe.
Eine Wochenarbeitszeit nach EU-Logik könnte hier Planungssicherheit schaffen, ohne die Gesamtarbeitszeit zu erhöhen.
Und was bedeutet das für Beschäftigte?
Hier liegt der Knackpunkt – und die Sorge vieler Arbeitnehmer.F lexibilität kann Chance oder Risiko sein:
Potenziale für Beschäftigte:
längere zusammenhängende Freizeitphasen
bessere Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Arbeit
individuellere Arbeitszeitmodelle
Risiken bei schlechter Umsetzung:
längere Arbeitstage ohne echten Ausgleich
höherer Druck in Spitzenzeiten
unklare Grenzen zwischen freiwilliger Flexibilität und betrieblicher Erwartung
Entscheidend wird sein, wie klar Schutzmechanismen definiert werden – etwa durch verbindliche Ruhezeiten, Mitbestimmung und transparente Dienstpläne.
Mehr als Arbeitszeit: Steueranreize & Bürokratieabbau
Die neue Strategie bleibt nicht bei der Arbeitszeit stehen. Geplant sind unter anderem:
steuerfreie Überstundenzuschläge
steuerlich begünstigte Prämien für Teilzeitkräfte, die mehr Stunden übernehmen
Abbau von Dokumentationspflichten
keine nationale Übererfüllung von EU-Vorgaben („Gold Plating“)
Gerade für kleine Betriebe ist das relevant: Rund 85 % der Tourismusunternehmen sind Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitenden. Für sie bedeutet Bürokratie nicht Verwaltung, sondern Zeitverlust im Tagesgeschäft.
Warum das auch Gäste betrifft
Die Reformen zielen nicht nur auf Betriebe und Beschäftigte. Langfristig geht es auch um die Frage:👉 Bleibt Urlaub in Deutschland bezahlbar?
Steigende Kosten, Personalmangel und starre Regeln wirken sich direkt auf Preise, Öffnungszeiten und Angebotsvielfalt aus. Die Strategie will verhindern, dass Qualität leidet oder Urlaub zum Luxus wird – ein nicht zu unterschätzender Faktor für Regionen wie Sachsen, die stark vom Inlandstourismus leben.
Unsere Einordnung
Die geplante Flexibilisierung der Arbeitszeit ist kein Allheilmittel, aber ein realistischer Schritt. Sie kann Betrieben Luft verschaffen und Beschäftigten neue Spielräume eröffnen – wenn sie fair, transparent und sozial abgesichert umgesetzt wird.
Die neue Tourismusstrategie zeigt: Der Staat erkennt die Branche zunehmend als wirtschaftliches Schwergewicht auf Augenhöhe mit Industrie und Export. Ob daraus echte Entlastung entsteht, entscheidet sich jedoch nicht auf dem Papier, sondern im betrieblichen Alltag.
👉 Die entscheidende Frage bleibt: Wird Flexibilität zur gemeinsamen Lösung – oder zur einseitigen Belastung?
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